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ordentlichsten Demnth nnd Bescheidenheit. Er gehöree dem Domi-nikanerorden an und wurde den größten Malern seiner Zeit bei-gezählt. Die spiegelhelle, durch keinen Welthauch getrübte kindlicheSeele dieses Malers spricht sich ans eine unübertroffene Weise indem himmlischen Liebreize aus, von welchem seine Bilder umflossensind. Sein Bild, voll von andächtiger, gläubiger Hingabe andie Lehre nnd den Glauben der Kirche, sein Blick, welcher lediglichdem Höheren zugewandt ist, schließt diese Seite der Disputa har-monisch ab nnd giebt dem Auge, das von der erregten, philoso-phirenden Gruppe zurückkommt, einen Ruhepunkt, von dem es nachoben geleitet wird. Ehe wir uns dorthin wenden, haben wirnoch Einzelnes zu deuten nnd zu erklären, vorher aber noch dieFrage zu beantworten, warum Fiesole, warum ein Maler auf un-serem Bilde erscheine? Wir erinnern zur Beantwortung dieserFrage daran, daß Dante ans der entgegengesetzten Seite des Ge-mäldes erscheint; wie nun dort der größte christliche Dichter,so erscheint auf dieser Seite der größte christliche Maler; undso sehen wir, daß auch die christliche Kunst zur christlichen Theo-logie ans unserem Bilde gerechnet wird!
Nicht ist zu verkennen, daß Raffael die Disputa über's Kreuzconstrnirt hat. Die Idee, welche dieser Construction zu Grundeliegt, wollen wir andenten, nicht ausführen. Auf der rechtenSeite des Bildes erkennen wir die mehr positive Richtung derTheologie nnd Kirche, auf der linken die mehr spekulative. Wirerblicken z. B. unten auf der linken Seite Justin, Augustin, Tho-mas von Aquin, Bonaventura, Gemisthus Pletho, lauter spekulativeKöpfe des ersten Ranges; auf der entgegengesetzten, rechten SeiteIgnatius, Hieronymus, Gregorius, vorwiegend dem positivenWissen zngewandte Geister. Dieser Bemerkung entspricht auch derobere Theil des Bildes; rechts der h. Petrus, der Repräsentantder positiven, links der h. Paulus, der Völkerapostel, der Re-präsentant der freiem Richtung; mit einem Worte: rechts die mehrjudenchristliche, links die mehr heidenchristliche Richtung. DieseIdee finden wir auch in den Engeln wieder, welche die vier Evan-