Druckschrift 
Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

115

suchen. Hier erblicken wir eine große, bedeutsam hervortretcndeFigur, welche uns im Nordergrunde in philosophischer Kleidung undmit dem Philosophenbart entgegentritt, und in dieser Figur (")erkennen wir den Lehrer des Bcssarion, den griechischen PbilosophenGemisthus Pletho, der mit Bessarion von den Griechen nach Flo-renz war gesandt worden, um als Wortführer der griechischenKirche dort aufznireten. Gemisthus Pletho konnte aus gleichenGründen wie Bessarion nicht nach Griechenland zurückkehren; erblieb in Florenz. Gemisthus Pletho galt auch in Griechenlandals erster Kenner der griechischen Litteratur und der platonischenPhilosophie; über diese Philosophie hielt er öffentliche Vorträgezu Florenz, welche mit dem außerordentlichsten Bcifalle gehörtwurden und zu denen nicht blos wißbegierige Jünglinge, sondernauch die angesehensten Staatsmänner, und unter ihnen Cosinusvon Medicis selbst, zusammenströmten. Wie die Scholastiker denAristoteles als den Vorläufer der christlichen Lehre betrachteten, sopriesen die Platoniker, die sich überdies auf die ältesten Kirchen-väter berufen konnten, Plato als den Vorläufer des Christenthums.Diese Philosophie, so lehrte man, ist die Vorhalle zum Christenthum,sie führt zum Christenthum hin, und so erscheint der erste und ältesteTräger dieser Philosophie in jener Zeit auf unserem Bilde, indemer einen wißbegierigen Jüngling auf die christliche Lehre hinweis't.Gemisthus Pletho war der Stifter der platonischen Akademie zuFlorenz, an deren Spitze wir später Marsilius Ficinus erblicken.Die Repräsentanten der ersten Periode der Scholastik sehen wirrechts, die der Blüthe der Scholastik links; an diese schließt sich,dem historischen Entwickelungsgange folgend, Gemisthus Pletho an,und dann finden wir die Fortsetzung, die übrigen Platoniker, wiederrechts. Auf die Periode der scholastischen Theologie folgten diegenannten Platoniker oder Neuplatoniker, die Gegner der Scholastik.

Rechts, am Rande des Bildes, zunächst der philosophirendenGruppe, erblicken wir einen Mann in schwarzer Ordenstracht ("),dessen Blick nach oben gewandt ist. Man erkennt darin das Por-trät des seligen Angelico da Fiesole, eines Malers von der außer-

8 *

. '

...o ^