uerei macht eigensinnig, streng, Gelehrsamkeit macht kalt, Liebhabereimacht eigensinnig und eingebildet, und das Letztere waren dieseMänner; sie sahen mit großer Ueberschätzung ihrer blühenden, ge-heimnißvollen Weisheit auf alle Anderen mit Geringschätzung herab,welche nicht zu den ihrigen zählten. Einige lösten die Lehren desChristenthums in ihrer Weisheit auf, Andere behaupteten, die Kab-balistik sei gerade diejenige Wissenschaft, mit deren Hülfe man dieLehre des Christenthums über jeden Zweifel erhaben hinstellcn könne.
Zn dieser Schule platonisch-kabbalistischer Weisheit bekanntesich auch Picus von Mirandula, Graf und Fürst von Con-cordia (1463 — 1494), ein Mann oder vielmehr ein Jüngling,auf den seine Zeitgenossen wie auf ein Wunder der Welt hin-schauten. Dnrch Geburt gehörte er de» höchsten Ständen an, zu-dem war er geistig wunderbar begabt, und die Natur, um nichtsan ihm, was die Menschen sich wünschen, vermissen zu lassen, hatteihn körperlich schön geschaffen, wie die Kunst den Apollo bildet.Er war, wie seine Zeitgenossen ihn nannten, der Phönix seinesJahrhunderts. Picus von Mirandula, der Alcibiades der Schule,vereinigte in seinem Geiste das gesammte Wissen seiner Zeit, erwar Philosoph, Dichter, Redner, Polyhistor, und in seinen jün-geren Jahren noch stellte er 900 Thesen aus dem gestimmten Ge-biete des menschlichen Wissens auf, welche er in einer Zeit, woman auf's Disputiren eingeübt war, wie die Ritter auf's Turnie-ren, zu Nom, dann zu Paris öffentlich vertheidigen wollte. Pi-cus fand in seiner Philosophie nicht, was er darin gesucht, erwandte sich von der Kabbalistik ab und der Kirchenlehre zu, undvertheidigte dieselbe gegen die verschiedenen Angriffe, welchen sieausgesetzt war. Picus starb jung, in seinem 34. Lebensjahres.
, In dem schönen jugendlichen Bilde, von vornehmer Haltungund Kleidung (36), erkannte mau bisher den Herzog von Urbino,ohne einen besonderen Grund dafür zu haben. Wir erkennendarin Picus von Mirandula; er wendet sich von der Gruppe ab,
S. Lrllvkeii kistoris xkilos. Low. IV. x. I., x. öd.