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Die Disputa ist das Bild der Theologie.
Alle Erkenntnisse von dem höchsten Wesen, welches an der Spitzeder erschaffenen Dinge steht, von Gott, von Gottes Dasein, Got-tes Wesenheit und Gottes Eigenschaften, sind theologische Er-kenntnisse. Theologische Erkenntnisse sind:
alle Erkenntnisse von dem Verhältnisse, in welchem Gott zurWelt als Schöpfer und Erhalter derselben steht, insbesondere vondem Verhältnisse des Menschen zu Gott, über dessen Erschaffung,Ziel und Ende.
Alle diese Erkenntnisse zusammengenommen, bilden in ihrer or-ganischen oder systematischen Verknüpfung die Wissenschaft von dengöttlichen Dingen — die Theologie.
Es gibt verschiedene Religionen und darum verschiedene Theo-logien. Die Theologien sind verschieden nach den Quellen, ausdenen sie schöpfen. Schöpft die Theologie ihre Erkenntnisse ausder bloßen Vernunft, so ist sie die natürliche Theologie; schöpftsie ihre Erkenntnisse aus einer Offenbarung, so ist sie geoffen-barte oder positive Theologie. Die positiven Theologien sindsomit so verschieden, als die Offenbarungen oder die Quellen ver-schieden sind, aus denen sie ihre Erkenntnisse schöpfen.
Auf unserem Bilde hat Raffael die christliche Theologie dar-gestellt, und zwar vor jenem Ereignisse, wo sich große Länder vonder katholischen Kirche trennten.
Die Theologie zerfällt in zwei große Abtheilungen, in die theo-retische und praktische. Die theoretische ist, wie das Wort es schonsagt, dem Erkennen zugewandt, die praktische zeigt das Verhältnis;des Erkannten zur Welt. Raffael hat die Theologie in diesem um-fassenden lebendigen Sinne aufgefaßt und dargestellt, als das großegöttliche Prinzip, welches in der Zeit erscheint, die Zeit durchdringtund die Welt umgestaltet.
Es ist nicht gleichgültig, wo man mit der Betrachtung einesBildes anfange, es ist so wenig gleichgültig, als es gleichgültigfür den Dichter ist, ob der Leser in seinem Gedichte in der Mitteoder am Ende anfange. Der Maler weiß geschickt den Standpunkt