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Raffaels Disputa
Entstehung
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In Raffael's Werken finden sich bei größter Verschiedenheitder Aufgaben, von den jugendlichsten bis zu den spätesten, an keinerStelle Spuren jener Verwirrung, jener ungleichen, Leerheit auf-deckeuden Anhäufung, welche in neueren Gemälden so gewöhnlichund selbst in sonst vortrefflichen Vorkommen. Bildnisse oder Zu-sammenstellungen von wenigen und wenig bewegten Figuren haltenohne Zwang die Mitte der Fläche; ihre Umrisse nähern sich an-muthsvoll dem Rande, ohne ihn je zu berühren, zeichnen ihreAus- und Einbeugungen gegen den Grund mit einem Liuiengefühle,welches an musikalische Modulationen erinnert. Schwieriger indeßals im Gesammelten, wird das Prinzip dieser Schönheit, ohneBeeinträchtigung des Gegenstandes, auch im Bewegten festgehalten;daher setzt nichts den Stil Raffael's in ein glänzenderes Licht, alseben der Tempelraub des Heliodor in den Stanzen des Vatika-nischen Pallastes H."

Wir stimmen Goethe nur bedingt bei, wenn er sagt,die höchsteAufgabe der bildenden Kunst sei, einen bestimmten Raum zu ver-zieren oder eine Zierde in einen bestimmten Raum zu setzen". Erfügt hinzu, aus dieser Forderung entspringe Alles, was wir kunst-gerechte Komposition heißen, worin die Griechen und nach ihnendie Römer Meister gewesen seien. Wir führen diese Stelle umder folgenden willen an, in welcher Goethe also fortfährt:

Alles was uns daher in der bildenden Kunst ansprechen soll,muß gegliedert sein und zwar im höchsten Sinne, daß es ausTheilen bestehe, die sich wechselweise auf einander beziehen. Hierzuwird erfordert, daß es eine Mitte habe, ein Oben und Unten,ein Hüben und Drüben, woraus zuerst Symmetrie entsteht, welche,wenn sie dem Verstände völlig faßlich bleibt, die Zierde auf dergeringsten Stufe genannt werden kann. Je mannigfaltiger dannaber die Glieder werden, und je mehr jene anfängliche Symmetrieverflochten, versteckt, in Gegensätzen abwechselt, als ein offenbaresGeheimniß vor unseren Augen steht, desto angenehmer wird die

von Rumohr a. a. O. 3, S. Id.