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Raffaels Disputa
Entstehung
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Zierde sein und ganz vollkommen, wenn wir an jene elfterenGrundlagen dabei nicht mehr denken, sondern als von einem Will-kürlichen und Zufälligen überrascht werden H."

Die Gruppirung und Anordnung gehört zum Leben und zurWahrheit des Bildes. Die Grundform des Lebens aber ist dasRunde, das Oval, das Antlitz des Menschen. Nur im Kreise,wenn auch im gebrochenen, tritt uns der Weltraum, als Absiseines unendlichen, mit zahllosen Lichtern erleuchteten Tempels, einesunendlichen Wesens entgegen!

So gut wie Demosthenes nach dem Stundenglase reden, sosicher wie Cäsar seine Legionen auf dem Schlachtfelde aufzustellenvermochte, so gut und sicher wußte Raffael alle Theile seinesBildes zu beherrschen. Das vermochte er, weil er es vermochte,sich selbst zu vernichten. Wie der Phönix aus der Flamme, sogeht der wahre Christ und der ächte Künstler erst aus der Selbst-vernichtung hervor. Sich selbst zu vernichten, ist nicht jeder Künstlerfähig, nicht jene getrockneten Menschen sind es, welche jeden Pulsschlageines edlen Strebens oder höheren Lebens durch Druckwerk inihrem Herzen erkünsteln müssen, nicht jene, deren Geist eingeschlossenist zwischen das ermüdende Herüber und Hinüber von kahlen undvagen Abstraktionen, sondern nur jene, in denen das Prinzip deshöheren Lebens, wie ein Heller Strahl vom Lichte der Sonne er-leuchtet, vom Irdischen ungetrübt emporschießt. Die Anderen magstdu zu Künstlern bilden, wenn es dir gelingt, einen Tisch, der schiefsteht und wackelt, auf unebener Erde festzustellen.

Aus dieser Selbstveruichtung, die wie jede Selbstvernichtung sichselbst vernichtet, geht die Selbstschöpfung, die Selbstbestimmung, dieSelbstrevision, die Correctheit, der Sinn, es geht auch das Naivedaraus hervor, nicht jenes Naive, was blos Instinkt ist und mit derAlbernheit verwandt ist, nicht jenes Naive, was blos Absicht unddarum affektirt ist, sondern das schöne Naive, welches Naturund Absicht zugleich ist; jenes Naive, welches wir beim Shake-

i) Goethe, Kunst und Alterthum I., 145.