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Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
76
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Die Gruppirung ist es, worin Raffael eigentlich am größtenist, insofern man dieses Prädikat überhaupt auf eine einzelne Eigen-schaft Raffael's anwenden kann. Die Gesetze der Gruppirung, derAnordnung finden nicht bloß auf die einzelnen Theile, sondern aufdas Ganze ihre Anwendung. So gut wie die geometrische undperspektivische Zeichnung für das Auge, wie die Akustik für dasOhr, so gut hat auch die Gruppirung ihre Gesetze. Freilich wirddas Kunstwerk, welches nach Regeln gemacht wird, allemal steifwerden und den Schüler verrathen, so lauge der Künstler in demAugenblicke der Anwendung seiner Regel sich derselben bewußtbleibt, so lauge sein Geist in seiner Thätigkeit dabei getheilt ist,und so lauge der Künstler gehindert ist, sich ungethcilt mit ganzerSeele in seinen Gegenstand zu vertiefen oder sich an denselbenhinzugebeu. Sich selbst Regel ist das Genie, das will aber nichtsagen, daß das Genie diese Regeln nicht beobachte, es beobachtetsie und muß sie beobachten, nur weiß es nicht darum, daß es siebeobachtet, so wenig die Blume weiß, daß sie durch ihre Farbeund ihren Duft entzückt. Dem Genie sind diese Regeln wie einhöherer Instinkt angeboren, was bei anderen Kunst ist, ist bei ihmNatur; aber die Kunst der Anderen soll aufhören zu sein und sollNatur werden. Wenn sich in der Periode der Caracci's auf diesenTheil der Kunst die Reflexion besonders hinwandte, wenn man fürdie Anordnung und Gruppirung bestimmte geometrische Gesetzeaufstellte, und wenn man in ihrer Anwendung nicht immer dieVerhältnisse hervorbrachte, die dem Schönheitssinne entsprechen, soliegt die Schuld nicht in den Gesetzen, sondern in der unvollkom-menen Anwendung. Sie darum ganz verwerfen, das heißt dieLogik des Lahmen zu der seinigen machen, welcher die Krücke weg-wirft, weil er in ihr die Ursache seines Hinkens erkennt.