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Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
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ein einziges Ziel hingerichtet ist. Völlig tritt der Vorzug diesesBildes hervor, wenn man dasselbe mit den Werken anderer Maler,und nicht blos solcher, deren Publikum das Parterre ist, vergleicht,wo Haufen von Figuren sich in beengter Fläche zusammendrängenund wie ein verworrenes Knäuel sich durcheinander verwirren Z,wo der Beschauer in der That in die Lage gebracht wird, vorlauter Figuren das Gemälde nicht zu sehen, und wo sich die Har-monie der Kunst nicht bloß in Disharmonie, sondern in wirklichenStreit um Gewänder und Attribute und selbst um Arme undBeine auflösen müßte, wenn anders die Figuren je lebendig werdensollten. So gerathen auch die Jean-Paul-Richterschen Menschenoft untereinander, wie die Beine der Schildbürger. Klar, durch-sichtig, wie vom astralischen Lichte erleuchtet, wie der Stil und dieLiebessprache Petrarca's, so erscheint uns unser Bild, die ersteherrliche große Frühlingsblume, die aus dem göttlich aufgeschlosse-nen Geiste Raffael's emporgeblüht ist!

t) Lessing meint, Michel Angolo hätte das jüngste Gericht nickt malen sollen,unter anderen Gründen auch darum, weil die allzuvielen Figuren, so gelehrt undkunstreich auch eine jede für sich selbst sei, das Auge verwirren und ermüden.Laokoon XIV., S. 318.