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Raffaels Disputa
Entstehung
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jenes Centraldogma, welches die Erde mit dem Himmel, das Ver-gängliche mit dem Ewigen verknüpft, jenes Dogma, in welchemsich der Sieg der Erlösung, die Verherrlichung des Menschensohnes *

und in ihm die Verherrlichung der Welt ausspricht, welches derMittelpuukt der höchsten religiösen Feier der Christenheit und dieBedingung des inneren Lebens war, und es auch dort noch gebliebenist, wo die religiöse Ansicht sich verändert hat. Von diesem Central-punkte strömt Licht und Bewegung, Leben und Ausdruck über dieeine große Hälfte des Bildes aus; in diesem Punkte leben undbewegen sich alle Figuren der unteren großen Abtheilnng diesesgroßen Werkes. Die Theologie ist ein lebendiges, in sich selbstbewegliches Wissen, sie ist nicht abgeschlossen, denn der Lichtstrahldes h. Geistes, der die Welt erhält, erleuchtet, leitet, schwebt überihr, um sie in alle Weisheit einzuführen. Wenn daher in der un-teren Abtheilung Leben und Bewegung, Fortschritt, Entfaltungsich offenbart, so tritt in dem oberen Theile uns die selige, dieverklärte Ruhe des Himmels mehr entgegen.

Die Sprache des Künstlers, um zum leichten Verständnis; zukommen, muß klar, durchsichtig sein, wie die Sprache Cäsars, seineAnordnung einfach, ungesucht, groß, schön, wie die Werke diesesgroßen Geistes, ohne den großen, mühsamen Periodenbau, der unsdas Verständniß des Thucydides, ohne den mühsamen, gesuchtenStil, der uns das Verständniß des Tacitus so sehr erschwert.

Wie in der Periode der höchsten Blüthe der griechischen Malereiund besser, erblicken wir die einfache schöne Anordnung auf un-serem Bilde. Keine Haufen von Personen und Gestalten, die ein-ander verdecken, sich gegenseitig den Platz streitig machen; jedeGestalt steht einzeln und doch in Verbindung mit anderen da, jedeFigur gilt für sich und gehört doch zum Ganzen. Zwischen ihnenruht das Auge aus, es hat nicht die Mühe, das Einzelne zu son-dern, festzuhalten, daß es ihm nicht wieder in die Menge sich ver-liere, und das verworrene Knäuel verwickelter Figuren zu ent- ^

wirren; und doch sind alle Figuren innig verbunden, alle sindbelebt, alle in entsprechender Thätigkeit, die wie Strahlen auf