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Raffaels Disputa
Entstehung
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alles bildet sich um, indem es von da zurückstrahlt I." Goethe hatdiese Stelle auf deutschen Boden verpflanzt, wir führen sie nurinsofern an, als sie zur Erläuterung dessen dient, was wir überdie Mittel des Künstlers zu seiner Darstellung gesagt haben. Lessing,weniger Dichter, aber mehr Philosoph und Kunstrichter als Goethe,führt dieses Capitel ebenfalls aus.In der That," sagt er,hatder Dichter einen großen Schritt voraus, welcher eine bekannteGeschichte, bekannte Charaktere behandelt. Hundert frostige Kleinig-keiten, die sonst zum Verständnisse des Ganzen unentbehrlich seinwürden, kann er übergehen, und je geschwinder er seinen Zuhörernverständlich wird, desto geschwinder kann er sie interessiren. DiesenVortheil hat auch der Maler, wenn uns sein Vorwurf nicht fremdist, wenn wir mit dem ersten Blicke die Absicht und Meinung seinerganzen Komposition erkennen, wenn wir auf eins seine Personennicht blos sprechen sehen, sondern auch hören, was sie sprechen.Von dem ersten Blicke hängt die größte Wirkung ab, und wennuns dieser zu mühsamem Nachsinnen und Rathen nöthigt, so er-kaltet unsere Begierde, gerührt zu werden; um uns an dem un-verständlichen Künstler zu rächen, verhärten wir uns gegen denAusdruck, und weh ihm, wenn er die Schönheit dem Ausdruckeaufgeopfert hat?)!"

Jedes Kunstwerk will Verständniß, Verständlich für die, welchezu verstehen fähig sind. Deswegen liebten selbst die großen Maleres, die h. Jungfrau, die heilige Familie, die Apostel immer wiedervon Neuem zu malen, weil das Verständniß und die Empfänglich-keit hier eine so allgemeine ist; deswegen nahm die alte Tragödieund Comödie keinen Anstand, durch den Prolog ihre Zuschauerschnell in das Verständniß der Tragödie oder Comödie einzuführen.

Raffael war die Aufgabe geworden, die Theologie darzustellen.Keine Abstraktion, keine allegorische Figur stellt er an die Spitze,sondern das Dogma von der Eucharistie in seiner sichtbaren Er-scheinung, das lebendige Centrum, auf welches Alles hinstrebt,

0 Goethe, Kunst und Alterthum.

2) Lessing, Laokoon XI., S. 141. Karlsruher Ausgabe.