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Besonderen, Individuellen aus. So arbeitet Shakespeare; er läßtsich die Jntrigue, die Novelle, die Geschichte geben; er arbeitet dieCharaktere in's Tiefe und Große aus und setzt neue hinein; erconstruirt seine Dramen nicht, sondern exstruirt sie vielmehr.Auch die Alten haben nicht nach Idealen gearbeitet; die Moder-nen, die es versuchen, umfassen Wolken statt der Juno! Ist dieKunst aber auch von dem Abstrakten ausgegangen, so bleibt dasBesondere doch immer die Pforte, die zum Leben führt.. Wer mitdem Idealen in der Freundschaft anfängt, nur mit dem Enthu-siasmus für die Freundschaft selbst, nicht für diesen oder jenenFreund, der mag viele Freunde haben, aber die Vielen werden anihm keinen Freund haben. Die Natur selbst schafft nichts Allge-meines, sondern nur dieses und jenes, und daß den allgemeinenBegriffen keine Wirklichkeit und somit kein Leben zukomme, dashatte der Kampf der Realisten und Nominalisten, welcher einenbedeutenden Zeitraum des Mittelalters ausfüllte, bevor Raffaelan's Malen ging, hinlänglich klar gemacht und ans Licht gestellt.Auch das Individuelle und das Besondere haben nur ein beschränk-tes Sein. Man interessirt sich nur selten für die Individualitäteines Menschei:, aber lernt man ihn kennen, wird er uns interessant,wird er uns ein klassisches Beispiel einer ewigen Gattung, so istdiese Individualität aus den Schranken des Endlichen, welchedasselbe umschlossen, herausgetreten, heransgetreten in das Gebietder lebendigen Idee. Hier liegt die Bedeutung der Gelegenheitfür den Dichter, welche Horaz so recht erkannt und so glücklichergriffen, auf welche Goethe in den Briefen an Eckermann Hin-weise, und welche er in seinem eigenen Gedichte zum Prüfsteindes wahren Dichters macht. „Hier ist Rhodus, hier tanze, duWicht, und der Gelegenheit schaff ein Gedicht!"
Nichts hat Leben, was nicht im Unendlichen wurzelt; nur durchBeziehung auf's Unendliche entsteht Inhalt, alles Andere ist schlecht-hin hohl und leer. Darauf hin muß die Kunst ihr Streben rich-ten, sie muß im vollkommenen Stil mit der Reinheit in Formund Stoff, mit der Objektivität in der Darstellung, und in der