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Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
70
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Es gibt kein Allgemeines, Universalschönes, sondern allesSchöne drückt eine besondere Idee und einen ganz bestimmtenCharakter aus. In jedem menschlichen Geiste, in jeder menschlichenGestalt ist die Richtung auf's Vollkommene und auf's Schönevorhanden, aber nur in seltenen Fällen, oder streng genommen nie,kommt die ursprüngliche Anlage der Natur zu ihrer absolutenVollendung. Was die Natur nicht kann, oder was ihr nicht ge-lingt, das zu verwirklichen ist die Aufgabe der Kunst. Die Kunstist daher das Vermögen, dasjenige zu machen, was wirklich seinsoll. Die Kunst ahmt somit die Natur nach, aber sie geht zugleichüber die Natur hinaus, denn sie macht wirklich, was der Naturwirklich zu machen nicht gelingt. Das ist es, was auch Raffaelzu sagen Pflegte:Der Maler solle die Dinge nicht machen, wiesie die Natur macht, sondern so, wie die Natur sie machen müßte *)."In dieser Richtung der Kunst liegt zugleich die Erhabenheit der-selben über die Natur und ihr schöpferischer Charakter. Aberauch die Kunst vermag nicht Alles, was sie will; alle ihre Werkesind nur Studien, ihre Bilder Bild vom Bilde; hinanstreben kannsie, hinanstreben soll sie, aber erreichen kann sie das Ideal nicht.Wie oft ist es, um hier nur von den Poeten zu reden, ihnen ge-lungen, sich über die Wirklichkeit zu erheben? Wie oft haben sienicht wirklich Menschen verkleinert? Wo haben sie einen Sokrates,Aristides, Solon in gleicher Würde dargestellt? Auch die höchstepoetische Bildung ist beschränkt. Ist die Kunst weise, so geht sienicht auf das Allgemeine, Abstrakte, sie geht von dem Einzelnen,

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