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Raffaels Disputa
Entstehung
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geblieben. Die unvergleichliche Biegsamkeit des Raffael'schen Gei-stes, seine Empfänglichkeit wurden auf das Lebhafteste zur Tätig-keit herausgefordert. Die alte Götter- und Kunstwelt, neu belebtund erleuchtet durch die Begeisterung der Humanisten, trat vorseine empfängliche jugendliche Seele hin; seine Thätigkeit wurdeglücklich gespornt und gezügelt durch den energischen, fast gebiete-rischen Willen seines neuen Gönners Julius II., der ihm immerneue, würdige, große Aufgaben stellte. Neben Raffael wirkte inRom, zum Höchsten hinstrebend, Michel Angolo und Bramante, derErbauer des größten Denkmals der Christenheit; es knüpften sichBeziehungen zwischen ihm und den gelehrtesten Männern und denhervorragendsten Dichtern an, mit Castiglione, Paulus Jovius,Bembo, Calcagnani, Tebaldeo, Ariosto und Anderen. Wir erblickendie Malerknnst auf dein höchsten Gipfel der Vollkommenheit, densie je erreicht hatte, und der erste und höchste Repräsentant dieserVollkommenheit ist Raffael von Urbino!

Wir sahen die christliche Kunst in ihren Anfängen, sie trat unszuerst in strenger kirchlicher Abgeschlossenheit entgegen; alle ihreWerke sind von dem Lichte des Evangeliums erleuchtet und werdenvon dem Heiligen getragen. Sie hält die Eigentümlichkeit derForm der alten Kunst bei; diese charakterisirt sich in der Zeit ihrerhöchsten Blüthe von Perikles bis auf Alexander dadurch, daß siesich in ihren Gruppirnngen an die Plastik und an das Basreliefals an den Uebergang von der Plastik zur Malerei mehr, als dieneuere Malerei anlchnt, daß sie die Formen über die Lichtwirkungenvorherrschen läßt, daß sie Schärfe und Bestimmtheit in der Zeich-nung fordert, daß sie die verschiedenen Figuren getrennt hält, umihre Umrisse nicht zu verwirren, daß sie das Licht gleichmäßig ver-theilt und daß klare Beleuchtung durchgängig das Ganze umgiebt Z.Was so den Charakter der altgriechischen Kunst ausmacht, ist inden alten christlichen Bildern hier klarer, dort weniger deutlichwiederzuerkennen. Bei den Vorstellungen, welche die Religion derKunst aufgiebt, kommt es mehr auf das Bedeutende als dasSchöne an; im Wesen des Bedeutenden liegt aber schon das Ein-