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Schatten der Unterwelt umherwandelte. Dieser Tiresias verkündetlaut und mit Nachdruck, daß der Künstler sich alles Individuellenentänßern, daß er alles Zufällige von sich abstreifen, daß er sichunbedingt seinem Gegenstände hingeben, in demselben ganz unter-tauchen müsse. Hierin liegt das Gehcimniß der Allseitigkeit, diewir an Raffael bewundern. Niemals trägt er seine Ideen in dieDinge hinein, sondern er versenkt sich in das Wesen der Dinge,ergreift dasselbe in seiner größten Eigenthümlichkeit und hebt esdann, kraft der großen Macht des ausübenden Vermögens, welchesihm zu Gebote stand, an's reine Licht des Daseins. In jeder reinen,lebendigen Idee spiegelt sich das Unendliche, wie die Sonne injedem Thautropfen am Frühlingsmorgen; das wahrhaft Besondereist das lebendige Allgemeine; seine Mannigfaltigkeit ist unerschöpflichfür den endlosen Geist, wie die Natur und das All'! Von jedemPunkte gehen Radien aus in's Unendliche.
In einem Briese, der im Sinne Raffael's gedichtet und unterseinem Namen veröffentlicht worden, heißt es: „Die Welt suchtviel Besonderes in meinen Bildern, und wenn man mich auf diesesund jenes Gute darin aufmerksam macht, so muß ich manchmalselber mein Werk mit Lächeln betrachten, daß es so recht gelungenist. Aber es ist wie in einem angenehmen Traume vollendet, undich habe während der Arbeit immer mehr an den Gegenstandgedacht, als daran, wie ich ihn darstellen möchtet)."Wie er aber vor der Arbeit an den Gegenstand gedacht, ist in eineranderen anziehenden, geheimnißvollen Mittheilung an derselben Stellenachzulesen H.
Ja, das ist das rechte Gleis,
Daß man nicht weiß,
Wenn man denkt,
Was man denkt.
Alles ist als wie geschenkt^).
Phantasien über die Kunst. Herausgegeben von L. Tieck, Berlin 1814.Neue Auflage. S. 28.
Daselbst.
3) Goethe in den zahmen Lernen.