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Geist und Form, Erfindung und Ausführung, Gedanke undDarstellung unterscheiden sich in jedem Werke der Knnst, wie Leibund Seele im Menschen. Was nützt der Gedanke, was die Idee,wenn das Mittel fehlt, sie zum Ausdrucke zu bringen; was willdie Form, wenn sie vom Geiste verlassen, hohl und leer erscheint?Drei Momente treffen hier in der Zeit, in welcher unsere Ge-danken sich bewegen, günstig zusammen, der Geist des christlichenKunstschönen in seiner herrlichen Entfaltung, die Muster der alt-griechischen und die technische Fertigkeit der neugriechischen Kunst.In Griechenland und in Italien war man niemals des Anblickesder antiken Kunstwerke ganz beraubt, der Grieche und Römerkonnte seinen Fuß nicht aufheben und niedersetzen, ohne etwas Ge-formtes zu berühren Z, aber die Kunstwerke waren stumm, undstumm gingen die Zeitgenossen an ihnen vorüber. Und war esnoch vor Kurzem anders unter uns, als man schweigend oder mitVerachtung an den Denkmalen der gothischen Baukunst, die jetztdie Welt mit Bewunderung erfüllen, vorüber ging, ohne ihrengeheimnißvollen tiefen Sinn zu verstehen oder nur zu ahnen?„Wenn wir früher die byzantinische Malerschule nicht mit Unrechtmumisirt genannt haben, sagt Goethe, so wollen wir bedenken, daßbei vertrockneten und verharzten Muskeln, dennoch die Gestaltdes Gebeines ihr Recht behaupte. Und so ist es auch hier 2)."Das Weizenkorn schlummert Jahrtausende in der Mumie, aberbefreit aus seiner Begränzung und dem Schooße der nährendenErde anvertraut, entfaltet es sich unter der Gunst himmlischerEinflüsse und trägt hundertfache Frucht!
Wir verlasse» es, Vergangenes und Gegenwärtiges zu berich-ten, um allmählig unserer Aufgabe näher zu treten.
1) Goethe, Kunst und Altcrthum I., 149.
2) Goethe am a. O. S. 145.
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