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taire und Rousseau, von Kaut und Fichte, lind in erhöhtem Maßevon Leonardo da Vinci und von Michel Angolo Buonarotti, vonRaffael und Correggio, von Giorgione und Tizian, die alle wieSonnen unter kleineren Sternen in ihrer Zeit glänzten?
Sonne und Moild mit sammt den Sternen ziehen immer amHimmel einher, aber die Erde wird durch sie nur dann erleuchtet,wenn die Atmosphäre rein, nicht durch Wolken und Dünste getrübtist. Keine Pflanze gedeiht, auch die herrlichste nicht, wenn ihrerWurzel der entsprechende Boden, ihren Blättern und Blüthen Lichtund Wärme gebricht. Das Genie wird geboren, aber damit esseine Kraft entfalte, bedarf es der Empfänglichkeit der Nation, derFreiheit der eigensten Bewegung, Gemeinschaft und Wcchselberüh-rung. Athen war die Mutter der Kunst und Wissenschaft; in Atbenblühte die Freiheit; aber in Sparta war das Maß der Freiheitäußerst beschräukt, und Athens Ruhm uud Glanz auf dem Gebieteder Kunst und Wissenschaft leuchtet durch die Jahrhunderte, aber dieGeschichte Sparta's zeigt nach dieser Seite nur dunkle Blätter.
Dem Frühling geht der Winter vorher; erst wenn die Naturden Winter überwunden, schmückt sie sich mit der mannigfaltigstenPracht der Blumen. Nachdem die Kraft und das Nationalbewußt-sein der Griechen durch die siegreich durchgefochtcnen Freiheits-kriege gegen die Perser gehoben und gestärkt, und als jeder Griechesich selbst und in seinem Volke fühlte, da blühte die Kunst fröhlichauf. Die Blüthen fielen wie vom Sturmwinde gerüttelt ab, alsder große macedonische Eroberer Griechenland seiner Freiheit be-raubte. Freiheit und Selbstgefühl, kräftiges nicht weichliches Be-hagen an dem eigenen Dasein, das waren die Zustände der Zeiten,welchen Perikles und. die Medicäer ihren Namen gegeben, in denendie alte und neue Kunst ihre höchste Blüthe erreichte. „Das ge-borene Talent wird zur Production gefordert, es fordert dagegenaber auch natur- und kunstgemäße Entwickelung für sich, es kannsich seiner Vorzüge nicht begeben, und kann sie ohne äußere Zeit-Legünstigung nicht gemäß vollendenZ."
Goethe in Kunst und Alterthum II., S. 154.