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Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
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Auf zwei Wegen geht der Lehrling in das Heiligthum derKunst ein; der eine führt vom Wissen zum Können, der anderednrch's Können zum Wissen. Der letztere Weg wurde in der Vor-zeit und im hohen Alterthnme, wo Theilung und Trennung deslebendigen Gedankens weniger allgemein war, als in der Gegen-wart, häufiger in der Kunst wie in der Wissenschaft betreten. DerTheorie, dem Inbegriff von abgezogenen allgemeinen Regeln undGrundsätzen, ist der Charakter der Abstraktion nicht zu nehmen;alles Abstrakte aber entbehrt des Lebens, des lebendigen Verständ-nisses und jenes lebendigen Funkens, welcher Begeisterung entzündetund erhält. «Wie im alten Bunde die Prophetenschüler sich umden weisen Mann versammelten, der die Gegenwart lebendig be-griff, die Zukunft vorhersagte, in seinem Umgänge alle Eindrückemit Andacht und Liebe sammelte, so begab sich in den mittlerenZeiten der lernbegierige Jüngling zu dem Meister der Kunst. Inunmittelbarer Nähe lernte er von diesem, durch Beifall gehobenoder durch Nachdruck getrieben, alle Werkzeuge seiner Kunst mitLeichtigkeit, mit Sicherheit gebrauchen, an der Hand desselben undvon seinem Geiste erleuchtet, stieg er von Stufe zu Stufe bis zujener Höhe hinauf, ans welcher er alle Mittel beherrschte, welchedie Darstellung forderte. Wie der Sohn vom Vater das Erwor-bene, so erbte der Lehrling und Jünger der Kunst das vom Lehrergeistig Errungene, um darauf fortbaucnd immer höher hinan zusteigen zu dem Gipfel der Kunst.

Diesen Bildungsgang ist auch Raffael gegangen, der frühzeitigzu Pietro Perugino oder Pietro Vanncci (1446, ff 1524) in dieLehre kam. Pietro Perugino, ein Schüler von Andreas Verrochio,galt für einen der bedeutendsten italienischen Maler. Die stillesüße Schönheit, das sanfte Licht der christlichen Verklärung in