verlassenen Wäldern, selbst von den Kanzeln ertönte die wieder-erweckte klassische Weisheit, welche im Begriffe war die einfacheLehre des Evangeliums davon zu verdrängen.
Neue Ereignisse setzten die Welt in Erstaunen; eine neue Weltwird entdeckt (1492), neue Handelswege werden aufgefunden, dasBand, welches sich um die alte und neue Welt schlingt, wird engerangezogen, Copernikus stürzt die alte Ptolemäische Weltordnung,öffnet dem Menschen einen ungeahnten Blick in die Größe und indie Wunder der Schöpfung, und die junge geflügelte Buchdrucker-kunst eilt, die Wunder der neuen und die Weisheit der altenZeiten nach allen Seiten hin den erstaunten Völkern zu verkünden.Alle geistigen Kräfte waren aufgeregt, alle edleren Gefühle freientbunden, kein Mißtrauen, keine Fesseln der Censnr hemmten nochden freien Gedanken, die Päpste selbst strebten die ersten zu sein,die auf der neuen leuchtenden Bahn des Geistes voranschritten.Ist Ruhe Tod, und Bewegung Leben, dann war hier das Lebenin seiner freiesten Entfaltung!
Wer zählt die glücklichen Talente, die großen Geister, die jetztwie kleine und große Sterne am Kunsthimmel anfsteigen, und dieWelt mit ihrem sanften Schein oder mit ihrem Glanze erfüllen?Wer erklärt uns das Räthsel, daß dieser Kunsthimmel heute vollleuchtender Sterne erscheint, morgen aber nichts als matte Lichterund farbige Schatten zeigt? „Man kann sich darüber verwundern,sagt Velleius Paterculus, daß große, verwandte Geister, welche inder Kunst und Wissenschaft Bahn brechen, zu gleicher Zeit in dem-selben Zeitalter erscheinen; aber ich kann es nicht genügend er-klären. Aeschylus, Sophocles und Euripides, welche die Tragödie,Cratinus, Aristophanes und Eupolis, welche die alte Comödie,Menander und die Anderen, welche die neue Comödie verherrlichthaben, gehörten sie nicht, wie Aristoteles und Plato, wie Jsocrates undDemosthenes, denselben Zeiten an Z?" Und gilt nicht das Gleichevon Virgil und Horaz, von Bossuet und von Fenelon, von Vol-
VsIIsios kkteivrNus, Historik liomkiiL I. 16.