Plastik, und wenn diese nicht zu allgemeiner Blüthe gelangtist, wie die christliche Malerei, so hat diese Erscheinung auch zu-fällige Gründe.
Körperliche Schönheit hatte weit höheren Werth unter denVölkern des elastischen Alterthums, namentlich unter den Griechen,als unter den Bekennen: der christlichen Religion, welche durchihren Glauben von dem Aeußeren, Sinnlichen, Körperlichen mehrabgewendet, von denen Viele durch den rauhen Charakter des Kli-ma's zur Bekleidung genöthigt werden. In anhaltendem Wechselgymnastischer Uebungen, im Ringen, Kämpfen und Diskusschiebensuchten die Alten den Körper zum höchsten Grade der Schönheit,Kraft und Gewandtheit auszubilden. In den olympischen Spielen,in den gymnastischen Wettkämpfen unverhüllter griechischer Jüng-linge, an denen in Sparta sogar unbekleidete Jungfrauen Theilnahmen, in den öffentlichen Spielen, wo athletische Gestalten dieKraft und das schöne Ebenmaß der menschlichen Gestalt in gigan-tischem Ringen offenbarten, sah sich der antike Künstler von Musternfür plastische Darstellung reich umgeben. Die körperliche Schönheitund Gewandtheit, aus deren Ausbildung man in der Natur sogroßen Werth legte, wurde auch in künstlerischen Darstellungenund Nachahmungen gesucht und geschätzt. Diesem Streben nachkörperlicher Schönheit durfte die Kunst nicht in den Weg treten.Daher stellte der griechische Maler nur schöne Körper dar. Aristo-teles befiehlt, man solle die Gemälde des Pauson, welcher von derRegel eine Ausnahme machte und die Kunst zur Nachbildung desGemeinen und Häßlichen herabwürdigte, jungen Leuten nicht zeigen,um ihre Einbildungskraft mit Bildern des Häßlichen nicht zu be-flecken I. Aus dem gleichen Grunde, um den Geschmack und denCharakter des Volkes nicht zu verderben, war es bei den Thebanernsogar durch das Gesetz verboten, unschöne Bilder oder Carrikaturenzu malen 2). Das Kunstschöne sollte dem Naturschönen vor der Ge-burt schon dienen.
tristst, kolit. 8, 5. Lessing, Laocoon S. 18.
-) Daselbst S. 20.