an Unsterblichkeit spricht uns an, und hebt uns über das Mangel-hafte der Form und Ausführung unbewußt hinweg.
Die ältesten christlichen Künstler waren erst Christen, dannKünstler, nicht umgekehrt; das nächste Ziel ihrer Kunst wardas Heilige, nicht zunächst das Schöne in der Form, auch nichtdas Erhabene. In dem Heiligen wurde das Erhabene wiederschön, es war nicht mehr furchtbar wie das heidnisch Tragische,sondern ausgesöhnt und liebevoll, und eben dadurch auch süß undreizend. Schön aber war für sie nicht blos das, was animalischvollkommen in der Form und Grazie ist, wie in der Skulptur,sondern ganz besonders das, was durchsichtig ist, das heißt, woder innere Geist klar durchscheinet, wo der höhere Lichtkörper durchdie grobe Hülle klar und deutlich durchbricht. Nicht mit demSchönen der Natur, welches sich im Organischen äußert, nicht mitder Schönheit der Form, welche nur im Animalischen streng ge-schlossen und vollkommen erscheint, sondern niit dem höheren Schö-nen, welches sich in der Darstellung des Heiligen offenbart, hatdie christliche Kunst angefangen. Die antike Kunst hingegen hatangefangen nicht mit dem Schönen, sondern mit dem Erhabenen,Gigantischen, mit dem sinnlich Reizenden, und hat von da ausallmählig zu der Mitte der vollkommenen Schönheit hingestrebt.Die bildende Kunst unter den Christen tritt sogleich als Bild derLiebe, als das geoffcnbarte Gcheimniß der göttlichen Liebe auf,und wie inan, um ein Institut, einen Staat zu erhalten, ihn, wenner ausgeartet, zu regeneriren, zu seiner Grundidee zurückkehren,das Gewordene mit dieser Grundfigur vergleichen muß, so mußman zu dieser Quelle wieder zurückkehren, so oft die christlicheKunst von ihrem Wege abgcwichen ist, oder abzuweichen droht.Dadurch gelangt man am ersten zur Erkenntniß dessen, was hiergut und was böse ist, lernt man jenes austrebcn, dieses vermeiden,und wird man in den Stand gesetzt, das zu erkennen, wodurchsich die ächte und große Kunst von der falschen, gemeinen Nach-ahmung unterscheidet. Wer aber das innere Leben nicht hat undnicht kennt, sondern blos den Traum eines blos äußerlichen, inner-