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Der christliche Tempelbau fand in dem Heidenthum kein Vor-bild; die Basilika, anderen. Zwecken ursprünglich bestimmt, wurdeder Ausgangspunkt für den christlichen Kirchcnbau, und so trittder Rundbogen in dem christlichen Kirchenbaustil zunächst in dembyzantinischen Reiche ein, wo Constantin und seine fromme Mutterin diesem Geschmacke viele christliche Kirchen aufführen ließen. Aberder Rundbogen hat nur ein nothdürftiges, kein freies Strebennach oben, er schließt stumpf nach obenhin ab. Der christlicheSinn und die christliche Liebesstamme streben nach demselben Ge-setze der Nothwendigkeit, wie die Flamme des materiellen Feuersnach oben, in immer schärferer Bildung und Zuspitzung. Die Fülleder Zeit durchbrach den stumpfen Bogen und setzte den höhcr-strebenden an seine Stelle, den Keim von einem unendlichen Reich-thum an Mannigfaltigkeit der Verhältnisse und der Gestaltungen.Die Periode dieses Stils beginnt mit dem eilftcn, und seine Blüthefällt in's dreizehnte und vierzehnte Jahrhundert; sie fällt mit denk-würdigen Zeiten und Evolutionen in der Wissenschaft zusammen;wo der Rundbogen erscheint, findet sich die Kirche gedrückt, ihreMacht und ihre Herrschaft steigt mit dem höheren Stil der kühnaufstrebenden gothischen Bauart.
Flucht vor der Welt, Einkehr in sich selbst sind Mahnungen,welche das Christenthnm zu allen Zeiten seinen Bekennen: zuruft.Die Mystik, diese kühne Tochter des Mittelalters, hat diesen Rufvernommen und ist ihm gefolgt. In ihrem Lichte gesehen ist diePersönlichkeit des Menschen untergegangen in der Beschauung desZiels seiner Bestimmung; der Mensch betrachtet sich nur, liebt sichnur als ein Werkzeug der unendlichen, unaussprechlichen Liebe; indieser Denkart ist er einig mit sich und mit der umgebenden Welt.Von einer Höhe, welche das sinnliche Auge nicht erreicht, sieht ermit festem Blicke aus die schwankende Flut und das erregte Spieldes irdischen Daseins. Ihm quillt ein Licht aus höherer Quelle;dieser Quelle entströmt ununterbrochen der Friede seiner Seele,in diesem Lichte leuchtet seine stille Freude aus dem himmlisch ver-klärten und verzückten Auge. Dieses darzustellcn ist die Tendenz