Druckschrift 
Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
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im Drucke der schwersten Verfolgungen so wunderbar verklärt hatte,fand auch unter den neuen Stürmen noch Gelegenheit sich zu be-währen und zu entfalten und ihren frommen Gefühlen in denSchöpfungen der Kunst Ausdruck und Anregung zu geben. Diechristliche Kunst ging von schwachen Anfängen, von mangelhaftenVersuchen aus, sie mußte sich nach dem Gesetze alles Werdens all-mählig und um so langsamer entwickeln, je größer die Hindernissewaren, die ihrer Entfaltung entgegenstanden. Wie viele Phasenhat die griechische Kunst durchlaufen müssen, ehe wir dieselbe aufihrer höchsten Höhe erblicken? Die römische Poesie verschwand indem Kampfe zwischen der alten und neuen Welt, und es dauerte einJahrtausend, ehe in dem Abendlande ein neuer großer Dichter anfstand.

Nachdem Karl der Große die römischen Päpste in ihrem Besitzeund ihrer Macht befestigt, nachdem der alte Staat im Abendlandezerfallen und ein neuer christlicher an seine Stelle getreten, dieKirche in dem genannten großen Kaiser einen mächtigen Schirmherrnerhalten hatte, trat Rom auch als Mittelpunkt der Kunst wiedermehr hervor. Dort hatte der empfängliche Geist Karls des Großenseine Vorliebe für Kunst und Litteratur empfangen, er wurde selbstein Sendbote römischer Kunst und Geisteskultur, indem er die latei-nische Sprache in den Schulen seines Reiches einführte und er selbstnnt seinem Hofe das Studium des klassischen Alterthums pflegte,klassische Alterthümer sammelte und Baudenkmale errichtete, vondenen eines sich durch ein Jahrtausend hindurch in dem Lieblings-orte seines Aufenthaltes, der alten Kaiser- und Königsstadt unver-sehrt erhalten hat.

Der große Geist des Kaisers Karl hatte seine Nation und seinZeitalter, die Kirche und das Kaiserthum, die Weisheit der altenWelt und die Offenbarung, die alte und die neue Kunst, die alteund die neue Sprache umfaßt, und mit jener Maßhaltung umfaßt,welche uns seinen Geist um so größer, um so bewundernswerthererscheinen läßt, da sie die seltenste Gabe ist, welche die himmlischenMächte den Machthabern der Erde zu verleihen pflegen. Jenseitsseines großen Frankenreichs sehen wir die Ströme der Völkerwande-