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Raffaels Disputa
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geistig sammeln, bevor man künstlerisch ausstreuen konnteVonden Christen in den ersten Jahrhunderten große Kunstwerke erwar-teil, das heißt, das Unmögliche wollen, oder die Geschichte nichtkennen.

Unter den Inden schlug das Christenthum seine ersten Wur-zeln; das Christenthnm konnte die Juden erziehen, aber sie nichtplötzlich umwandeln, es konnte nicht alle Fäden der alteil Erin-nerung und Gewohnheit mit einem Male abschneiden.

Von jeder hatten die Juden eine große Hinneigung zum Götzen-dienste; trotz der ganz verschiedenen jüdischen Lebenseinrichtung,trotz ihrer entschiedenen monotheistischen Lehre, trotz der strafendenMahnungen und Warnungen der Propheten, zeigt uns das alteTestament fast auf jedem Blatte Spuren des Abfalls des jüdischenVolkes von Jehova und Hinneigung zu dem Götzendienste; undsollte man es für möglich halten, kann man ohne Schauder darandenken, daß ein solches Volk sich bis zu dem Grade voni Wahn-witze bestricken lassen konnte, daß es seine Kinder dem glühendenMoloch opferte! Die Kunst, insofern sie dcni Kultus dient, istMittel zum Zweck; dient sie dem Zwecke nicht, zerstört sieihn vielmehr, dann ist es weise zu handeln, wie die gottbegeister-ten Männer des alten Bundes es gethan, der Kunst keinen Zutrittzum Kultus zu gestatten. Aber auch gegen diejenigen mußte dasChristenthnm Rücksicht üben, welche eine entschiedene Abneigunggegen die Bilder aus dem Jndenthum in das Christenthnm mitherüber gebracht hatten, vor Allem aber gegen diejenigen, welchevon dem Dienste der heidnischen Götter zum christlichen Bekennt-nisse übergetreten waren. Denn nichts war leichter, als daß dieseihre heidnischen Vorstellungen in das Christenthnm hinübergetra-gen hätten, und daß der alte Aberglaube in einen 'neuen Götzen-dienst nmgeschlagen wäre. Aber auch ohne diese Rücksichten konntedie christliche Kunst in den drei ersten Jahrhunderten sich nichtentwickeln. Denn wo und wann hätte dieses geschehen sollen? Die

^ Piper, Mythologie der christlichen Kunst, I. S. 5.