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welche seit dem Untergange des römischen Reiches verflossen, habennicht vermocht, dieselben zu lösen oder zn zerreißen. In den hohenund niederen Schulen werden die Gesetze der Römer erklärt, ihreSchriftsteller als unerreichte Muster hingestellt, ihre Sprache undGeschichte mit unvergleichlicher Ausdauer erforscht, ihre Thatenbewundert. Was die Kunst aber betrifft, so hatten sie nur eine,diese aber ganz gelernt, die Kunst zu erobern und Völker zu re-gieren. Neben den schönen Künsten waren auch Wissenschaft undLitteratur ihnen lange fremd geblieben; erst spät, und erst dann,als die römische Weltperiode anfing zu ihrem Ende zn neigen,erhielt Rom eine klassische Litteratur. Aber auch diese Litteraturwar keine originelle und eigenthümliche, sie lehnte sich an diegriechische an, und wurde dieser nachgebildet. Das alte Rom hateigentlich nichts selbst erzeugt, sondern hat Alles, wodurch cs ruhm-reich vor den Völkern geworden ist, von Anderen entlehnt, hataber das Entlehnte mit dem ihm eigenthümlichen großen Verständegepflegt und ausgebildet. Selbst hat das alte Rom auch in derKunst nichts Großes noch Bedeutendes hervorgebracht, obgleichdas Interesse an der Kunst, nachdem sie einmal Eingang gefundenhatte, ein allgemeines wurde; sie diente bald der Prachtliebe, undso wurde die Begierde nach ihren Schätzen und Leistungen eineunersättliche. Es war Sitte unter den alten Völkern, die Tempelder Besiegten ihrer Kunstschätze zu berauben, und die Römer übtendiese Sitte in vollem Maaße; sie gingen aber noch weiter, indemsie nicht blos die Besiegten beraubten, sondern auch in ihren eigenenProvinzen alles, was nur irgend einen Kunstwerth haben mochte,mit Gewalt an sich brachten. Nicht blos was die Natur, sondernauch was die Kunst irgend wo auf der bekannten Erde erzeugte,strömte in Rom zusammen; die Porticus, die Thermen, die Theater,die Basiliken mit verschwenderischer Pracht gebaut, die Tempel,nach der Berechnung eines gelehrten Philologen vier hundert undfünf und zwanzig an der Zahl, die Palläste und Villen der Kaiserund der Privaten waren mit einer unermeßlichen Anzahl vonWerken der Scnlptur und der Malerei geschmückt. Rom wurde