für die gemeinen Lebensbedürfnisse errichteten Hütten wäre nimmer-mehr Architektur entstanden H. Der alte Germane hielt es fürunzulässig, seine Götter in Tempelmauern einznschließen; weil erkeine Tempel für die Götter, hatte er keine Häuser und Städtefür die Menschen, und obwohl er unter einem Himmelsstrichewohnte, wo das Leben selbst eine Kunst ist, batte er doch keineWohnhäuser, keine Städte; in Höhlen mit Dünger bedeckt, brachteer den Winter zu?).
Der Glaube ist der große Baum, an welchem sich die Künstefrei und fröhlich hinaufranken; sie durchschlingen mit ihren mannig-fachen Zweigen und Ranken seine Neste und bringen durch ihndie schönsten und erhabensten Früchte zur Reife; wo die Künstediese Stütze entbehren, da sinken sie herab, ihre Reben und Ran-ken kriechen über die Erde hin, sie verwildern, und ihre Früchte,statt von dem Feuerstrahl des Himmels und den Einflüssen einerhöhern Welt gezeitigt zu werden, nehmen den Geschmack der Erdean. Witt dem Glauben an die griechischen Götter, sank die griechi-sche Kunst von ihrer Höhe herab. Die Israeliten hatten wederSculptur noch Malerei, weil sie von der Religion nicht gepflegtwurden, und die gleichen Ursachen haben die gleiche Wirkung beiden Bekennern des Islam hervorgebracht. In einem benachbartenLande, wo die Kunst große und herrliche Blüthen getrieben hatte,mußte sie sich in das Gebiet der Landschaft, des Portraits unddes Genrebildes zurückziehen, nachdem das neue Bekenntnis ihrden Sitz verweigerte, den sie bisher in der Kirche eingenommen hatte.
Wir haben die Verhältnisse, in welchen die Kunst zum Glaubensteht, angedeutet; Betrachtungen von mehr besonderer Art werdenuns nun beschäftigen.
Mit tausend theils sichtbaren, theils unsichtbaren Fäden hängtdie Gegenwart mit dem alten Rom zusammen; die Jahrhunderte,
1) A. W. von Schlegel, a. a. O.
2) 8olsnt st subtsrrLnoss spscus spsiiee, «LSHUS wulto insnpsr t'imovasiiim, suLuZium kisnii. r»eit,is Osrmsni» 16.