Wird der sterbliche Mensch von dem inneren Gefühle derHülfsbedürftigkeit getrieben, sich diesen Wesen zu nahen, so entziehter sich der Zerstreuung; er entflieht auf der Stufe, wo wir ihnhier erblicken, den Sorgen des täglichen Lebens, er tritt herausaus der Fläche des alltäglichen Daseins, er schreitet hin zu denHügeln und steigt auf zu den Bergen, um hier höher, reiner ath-inend in der reineren Atmosphäre und in reinerer ungetrübtererStimmung des Gemüths zu ihnen hinzutreten. Berge und Hügelsind die Stätten, auf welchen der Mensch in seiner Kindheit, gleich-viel unter welcher Zone er geboren sein mochte, hingezogen wurde,um auf denselben seine Götter zu verehren, und ihnen Altäre undTempel zu errichten. Der griechische Olymp, ans welchem die Götterder griechischen Dichtung wohnen, ist nichts als die Uebersetzung einerVorstellung, welche sich bei den ältesten Völkern der Erde wieder-findet, bei denen die Götter die höchsten Berge bewohnen.
Getrennt und abgeschnitten von dem erleuchtenden Strahle derUroffenbarung, lag das Geschöpf, wie das anfängliche Gebildedes Prometheus zur Erde nieder, es vermochte sich kaum überdieselbe zu erheben, und von dem höheren Lichtstrahl getrennt,trug es die Herrlichkeit des unwandelbaren Gottes über auf dar-gestelltes Bildniß des vergänglichen Menschen und der Vögel, dervierfüßigen und der. kriechenden Thiere
Nicht blos lebende und mit Vernunft begabte Wesen warenes, ans welche der Mensch das Göttliche übertrug; das Leblose,das Ungestaltete, das Abgeschmackte und Häßliche selbst war es,in welchem der Mensch aus der tiefstcu Stufe seiner Entwicke-lung seine Götter verehrte; der formlose oder als Kegel gestalteteschwarze Stein, der Klotz oder der hölzerne Pfahl werden vondem Fetischanbeter göttlich verehrt, und diese Art der Götzenver-ehrung findet sich nicht blos bei den Völkern des Orients, sondernauch bei den Bewohnern der neuen Welt. Auch in Griechenlandwar dieser Götzendienst einst üblich, und zum Zeichen des uralten
1) Paulus an die Römer I., 23.