84 Zeugniß für die gZttl. Herrlichk. u. Wahrheit,
nen Verstand so verliebt hast, und mithin just so viel wem-ger Hochachtung und Ehrfurcht vor Gott in deinem V-r.stand und Willen hast, als viel mehr du dich selber achtest,wird ja den ewigen Gott nicht zwingen können, dir allenMuthwillen deines Verstandes nach deinem Sinn zuzulassen.Wilst du denn deinen Verstand aus der Depcndcnz unterGott und seinen heiligen Befehlen loö reissen und auögenom-men wissen ? Hast du ihn nicht ihm zu danken, und ihm zu re-stituiren, sobald er dir ihn abfodert? Wenns ihm beliebte, dirdeinen Verstand wegzunehmen, oder zu verwirren, oder aufdie Hälfte, auf f, auf ^ und so fort zu reducirm, zu min-dern und zu schwachen, (dein Undanck wärö etwa nicht un-werth, und du wärest auch nicht der erste Dan. 4, iz. 14 - zo. zz)könntest du dir ihn denn wieder schaffen, oder nach Beliebenrectistciren, erhöhen und schärfen? Wenn du so eine unum-schrenckte Freyheit zu dencken was du wilst, zu haben vermei-nest: Mein! beweise sie doch in der Erhöhung deines Ver-standes, daß du nach Gefallen, bald zehnmal geschwinder,höher und tiefer, gewisser und gründlicher von allen Dingen,die dir vorkommen, und zu jeder dir beliebigen Zeit geben-«ken könnest, als vorhin! Oder gieb deinem so freyen undungebundenen Verstände auf, alle Fragen, die man ihm billigerWeise,zumExempel nur aus der ganzen Naturwiffenschast vor-legen kan,flugs und gründlich genug zu beantworten: So wirdsich doch die hochgespannte lübortsscogiwli^i in etwa einigenProben darthun können. Wo nicht: Alberner Mensck!warum prahlst du denn damit so sehr, da sie doch auch nuvdurch die viel Millionen Proben der Unwissenheit, die manihr bey allem Sichtbaren und Unsichtbaren vorrücken kan,ss gar ungemein eingeschrenkt und gebunden wird? Ist dasnicht eine miserable Freyheit zu dencken, die sichs muß ge-fallen lassen, daß ihr die Jgnoranß Schritt vor Schritt inden Weg und unter die Augen tritt, und sie kanö nicht hin-dern noch vertuschen?