Druckschrift 
Johann Jacob Schmidts, Predigers zu Peest und Palow, Biblischer Geographus oder vollständige Beschreibung aller in der H. Schrift benanten Länder und Städte, oder zur Geographie gehörigen Oerter und Sachen : Mit Mathematischen, Philologischen, Physicalischen, Moralischen, Politischen, Historischen und Theologisch-Mystischen Anmerckungen durchgehends versehen, wie auch mit der neuesten Geographie verglichen, und mit 15. accurat und sauber gestochenen Land-Charten erläutert
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

gegen einige dunckele Zweifel. 8;

Man muß sich in Wahrheit höchstens darüber verwun-dern, und kans fast nicht begreifen, wie es möglich sey,daß sich Leute auf ihren Verstand so viel einbilden, und soviel Werks draus machen können. Man solle eher glauben,daß sie sich dis für was niederträchtiges anrechnen, und sichdeß von Hertzcn schämen würden. Denn es gehört in derWahrheit nichts mehr, als ein sehr hoher Grad der Unver-schämtheit, und eine grosse Unwissenheit, oder doch eine sehrseichte und confuse Gelehrsamkeit dazu: So wird der Abgottdes Verstandes bald fertig seyn. Man sieht dis zum Theilan einigen ungezogenen und unwissenden jungen Leuten.Je kleiner ihr Verstand und ihre Wissenschaft, je grösseraber dagegen die Unverschämtheit: Je grösser ist auch ihreEinbildung, und darnach artet sich ihr ganzes Wesen.Eben so ists in diesem Fall, wenn man hier nach der Gcösssder Erkenntniß Gottes, der Welt und seiner selbst forschet.Je weniger jemand von der wundervollen Einrichtung derWerke Gottes iin sichtbaren und unsichtbaren, Natur undGnadenreich erblickt hat, und mithin eben dabey wahrgenom-men, wie wenig er davon zu erblicken capabel sey; je höherwird ihm sein Verstand noch vorkommen. Kommt nunvollends ein sich selbst gefallender Eigensinn dazu: so meintder Mensch gar, er könne mit seinem Verstände machen,was er nur wolle.

Warum denn nicht auch eben so mit dem Willen? Istdenn der Verstand nicht eben so wohl eine Kraft der Seelen,die unter Gott stehet, als der Wille, und dieser eben so wohlwie jener? Nun aber dem Willen, und allen seinen auch in-«ersten Bewegungen von dem Schöpfer Geseße vorgeschrie.ben sind, an die er gebunden ist: Wie könnte denn der Ver-stand ohne diese Geseße seyn? So sehr dem Willen, im

neunten u. zehnten Gebot die Uicentia voleuöi guiälibet, oder

eine jede unordentliche Lust verboten ist: So sehr muß auchdem Verstände die I^icentia coAiwnäi ^uiälibet, ein jederböser und unnützer Gedancke, ja, (genau genommen), einejede Unordnung im Denken, die nicht mit dem Sinn Jesu

F Z Christi