Lo Zeugniß für die gönl. Herrlichkeit u. Wshrheir,
»on aller thierischen Lust ganß verlassen, und fühlet daß ervon nun an ohne einiges Aufhören mit den allergräßlichstenVerzweifelungen werde ringen müssen.
§. 2. In diesem Elend ängstet und kümmert sichder arme Mensch, wenn er nur noch zu Gedanckenkommen kan, dasselbe zu erblicken. Er weiß nicht,wenn und wie er darein gerathen sey, auch nicht wiedaraus zu kommen. Daß ihn der gute GOtt unmöglichso jämmerlich geschaffen, und so unglückselig aus seinerHand dimittiret haben könne; mag und muß er wohl be.greifen, (denn wie könte doch der vollkommene, gute und un-endlich gerechte GOtt einen so bösen und ungerechten Men-schen sich selbst zur Schande, zum Feinde und so zu sagen zumHertzeleid gemacht haben? )aber wie es mit dem Fall zuge-gangen, und wie es möglich ist, daraus zu entrinnen, kanihm niemand sagen. So gar findet er auch in-seinem gan«.Hen Verstände nichts, das ihm nur einiger mästen auf dieSpur helfen, und über den Ursprung, Art und Ende sei-nes Jammers in ein weiteres Nachdrucken führen könte, wo-bey er sicherlich festen Fuß fassen dürfte.
§. z. Gleichwohl gehet sein gantzes Gemüth mit allemDencken und Wünschen, ja mit Macht darauf, GDtt kön-ne ihn unmöglich in solcher Norh mit Freuden sehen,vielweniger ohne Räch und Hülfe lassen, sonst wäreer nicht gut noch gerecht, folglich auch nicht GOtt, als des-sen Vollkommenheit es unmöglich erlauben könte, sein ei-gen Merck also zu hasten. Er kan sichs unmöglich überre.den lassen, zu glauben, daß es der seligste GOtt, der allerCreatur unausgesetzt alles Gutes erweiset, und von dessen all-mächtigen und gütigen Händen alles in der Welt, wasnur ein Leben und Odem hat, Tag vor Tag sein Gutesem.pfängt, übers Hertz bringen könte, sein edles Geschöpfe,den Menschen, in diesem Jammer zu lassen, zu verachtenund gleichsam hinzuwerfen, dem er doch vor allen andern Ge.schöpfen einen so sichtbaren Vorzug verliehen. Er schließt:Ey jammert mich eines jeden geringen Thieres, das sich zu
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