gegen einige dunckele Zweifel. rr
mir hält und auf mein Wohlthun wartet, wenn ich es ir-gendwo verstümmelt , kranck, winselnd und jämmerlich er-blicke; und kan ichs nicht lassen, mich seiner nach Möglich-seit zu erbarmen, und es zu retten: wie sollte e6 doch mög-lich seyn, daß der allmächtige, der selige, der unendlich gü-tige GOtt, sein vermuthlich liebstes Geschöpfe, den Menschen,könte in dem grössesten Jammer ungerettet lassen? Er mußja unendlich vollkommener und barmherhiger seyn, als ich;ich muß ja um unzehlige Grade eines Erbarmens von ihmfähiger oder doch dürftiger seyn, als ein geringes Thier vonmir; die Ewigkeit, woraufs mit mir kraft der innern Em-pfindung meiner Seele angesehen ist, übertrifft doch alle klei-ne Weilchen und Lebens-Zeiten aller und jeder Thiere ganßunendlich. Sollteich just unglückseliger und verlassener seynin der Welt, als alles andere, was sonst ein Leben und O-dem hat? Und GOtt sollte doch ein Erbarmet seyn über alleseine Creatur? Kann ich den leugnen, daß alles Lebendigein seiner Güte und Freundlichkeit unausgesetzt wie in seinemElement lebet, und derselben tagtäglich genießet? ic. hier-nächst wird der Mensch auch zu Zeiten eines gewissen nie zustillenden Verlangens in siel) gewahr, kraft dessen ersich auf eine sehr dunckele, und ihm selbst unbekannteMeist nach einem stillen Frieden, nach einem unend-lichen Gut, nach etwas ewigen, das ist nach GGreselber sehnet, ja auch gleichsam von weiten einiges Vertrau-en zu der ewigen Liebe GOttes fasset: nur daß er sich nichtgetrauet, einen billigen und gleichsam gerichtlichen Anspruch(wie dort der Heyland Match. 27,46.) und Forderung andieselbe zu thun. Mit diesem dunckel» und gleichsam ver-blichenen Verlangen, mit dieser manchmal gewagten Zuver-sicht, mit der zuweilen sehr mercklichen und ehrerbietigenNeigung zu dem allerseligsten GOtt, weiß er nun nicht wo-hin? Er merckts in sich, so er anders gewohnt ist acht zuhaben, was in seiner Seele vorgehet: aber er weiß nicht,wie weiter, und gleichwol kan erS nicht los werden.
Dr §- 4-