Druckschrift 
5 (1852) Der kleinen Schriften zweiter Theil
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

40L

Plage hat heutzutage noch mancher Philister, und sie bedienensich in Erinnerung des Sühnopfers ihrer Vorfahren dabei desAusdruckes: „güldene Ader," welches ihre einzige poetische Aderist; aber insofern sie nicht von jenen sind, an denen keinefalsche Ader ist, so soll jenes Gold auch nicht acht sein.

Nun sehen wir den Hauptphilister Goliath durch dieSchleuder des Hirtenknaben David sinken; derselbe gewinnt dieTochter Saul's, Michol, zum Weib, um den Preis von zwei-hundert Philister-Vorhäuten; sodann nehmen sie den vor demWahnsinne Saul's flüchtigen David aus Staatsklugheit ansund. glauben, er werde für sie als Vaterlands-Verräther fechten.Ueberhaupt ist Staatsklugheit mit Niederträchtigkeit verbundenein Hauptzug aller Philister.

Unter David's Negierung, steht Sirach 47. V. 7. sei ihnenihr Horn abgebrochen worden; es ist aber nicht dabei angezeigt,wo ihnen das Horn gesessen habe, oder ob es nur ein Hornwerkihrer Reichsverschanzung gewesen, wie es ein heutiger Philisteranslegen möchte. Sie kamen in der Folge immer mehr herunter,zuerst unter die Assyrer, sodann thaten sie noch einen Hauptconp, -der ohne Beispiel in der neueren Geschichte ist, den sie aberdoch am Ende nicht zu Stande bringen konnten. Sie ließensich in der Stadt Asbod von dem ägyptischen Könige Psamet-tichus, nach Herodot B. 2. Kap. 157. neun^und zwanzig Jahrelang, wahrscheinlich bloß für die Langeweile, belagern, undwären sie keine Philister gewesen, hätten sie sich nicht endlichübergeben, so säßen sie noch darin, und wir brauchten sie nichtvon einer deutschen christlichen Tischgesellschaft anszuschließcn.Aber die Worte des Propheten Zcphania wurden und werdenwahr über sie: „O Canaan, Land der Philister, ich will dichverwüsten, daß kein Einwohner mehr da sein soll."