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5 (1852) Der kleinen Schriften zweiter Theil
Entstehung
Seite
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Du kannst es nicht glauben, lieber Vater, was das füreine Empfindung ist, mit Allem bin ich versöhnt, und kann soglücklich hier im Garten herumgehen, denn in jeder Blume liegtmir das ganze Leben. Ich will deswegen recht offen mit Dirreden, denn ich bin Nun so, daß ich nichts mehr zu verbergenbrauche, da auch in dieser Einigkeit meiner Seele jenesVerbergen ein Ende nahm: ob ich denke oder spreche, das isteinerlei!

Ich weiß, wie Du mich liebst, und wie Du immer um michbesorgt bist. Die Erziehung ist etwas, was der Erzieher immerweiß, und ein Gemüth ist etwas, was er nicht weiß; da eraber doch mit der sorgenden schönen Liebe, die ihn treibt,erziehen muß, so wird er sehr traurig, wenn er niemals daswerden sieht, was er bezweckt. So warst Du und Joseph immertraurig um mich, und ihr würdet noch viel trauriger gewordensein, wenn ich nicht die Hälfte des Verdrusses in michgenommen hätte, und obschon ich dadurch eure Einwirkungans mich scheinbar wirkender machte, so erlag ich doch oftsichtbar dieser doppelten Thätigkeit des Selbstbildens und Sich-bildenlassens, so daß dieser Betrug, den ihr in mir bemerktet,euch wieder kränkte.

Sei versichert, lieber Vater, daß alles aus mir werdenwird, was aus mir werden kann, denn ich bin ernsthaft undunbefangen. Was man erkennen kann, erwäge ich, und gebe ichmir mit Sorgfalt und Verstand, und alles, was über denMenschen schwimmt, wie die Luft über der Pflanze, gibt mirdas Leben: ich bin fromm und andächtig, es zu empfangen;denn fromm ist der, der das Schöne und Reine mit Liebe suchtund emsig betet, wenn er vor der Natur und schönen Werkensteht, und andächtig ist der, welcher über seinem Denken nichtein trennendes Ende fühlt, sondern einen leisen Uebergang indie unendliche Liebe. Die Andacht ist ein gelinder Rausch, der