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5 (1852) Der kleinen Schriften zweiter Theil
Entstehung
Seite
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Sie brachte hier meistens die Abende zu, während Mariedie letzte Zeit, welche- Joseph noch in Deutschland war, mit ihmin Liebe theilte. Annonciata war gern zu Haus, und daß siejetzt öfter als gewöhnlich auSging, war, um Marien nicht zustören. Dieses erkannte man übrigens nicht. Es lag in ihremCharakter, Gefälligkeiten, Wohlthaten und Alles, was sie in denAugen Anderer erheben konnte, durch eine oft künstliche, müh-same Vorbereitung unscheinbar zu machen; denn nichts that ihrweher, als Lob; doch erkrankte ihr Gemüth in diesem selbst-bereiteten lieblosen Zustande.

In dieser Zeit empfing sie einen Brief von ihrer Tauf-pathe, einer in der Gegend wohnenden Gräfin, die sie schonvor einiger Zeit besucht, und mit deren Tochter sie einenfreundlichen Umgang angeknüpft hatte. Die Gräfin bat siedringend, sogleich zu ihr zu kommen, weil ihre Tochter Wall-purgis gefährlich krank sei und sehr nach ihr verlange.

Annonciaten bestürzte diese Nachricht, sie hatte sich, als sieden vorigen Abend wie gewöhnlich am Fenster stand, so lebhaftnach dem Schlosse gesehnt, und nun rief sie eine so traurigeNachricht hin.

Sie brachte den Brief ihrem Vater, der es ihr gernerlaubte, und nachdem er sich bei der Kammerfrau der Gräfin,die mit einer Kutsche gekommen war, Annonciaten abzuholen,über die Krankheit erkundigt und erfahren hatte, daß sie ineiner bloßen tiefen Melancholie bestehe, so sprach er mit Annon-ciaten noch einmal allein, wie man mit Melancholischen umgehenmüsse, machte sie aufmerksam auf ihren eigenen Tieffinn undbeurlaubte sie mit den Worten:Gehe mit Gott, mein Kind!"Annonciata ward durch die Rede ihres Vaters sehr gerührt, dieletzten Worte nämlich:Gehe mit Gott, mein Kind!" bewirktenihr eine heftige Bewegung, denn in diesen selbstgebildeten Aus-drücken des Herzens, die wie die Wünsche:Guten Morgen,