13
den Paradeplatz aller Leistungen unter dem Commando desHerrn Schwab zu umspannen, reichte kaum das Gespinnst deralten Base Cordula zu, deren reiner Faden doch von demTaufhemde der Fräulein von Sternheim bis zur Jacobinermützeum die Spule gelaufen war.
Dieser Janus, dieser Proteus, dieser Centaur von Scherzund Ernst, dieser mir ewig theure Herr Schwab also stelltemich bei der Kaiserkrönung sehr ernsthaft zur Rede undermahnte mich, im Stillen meine Ansprüche auf das LändchenVadutz fallen und Gras über diese kahlen Phantasien wachsenzu lassen, wenn ich nicht wolle auf die Mchlwage gesetzt werden;denn unter den vielen bei der Krönung anwesenden Potentatensei auch ein Fürst Lichtenstein, und dieser sei der wahre Besitzerdes Ländchens Vadutz, welches nebst der Herrschaft Schellenbergseit 1719 das Fürstenthum Lichtenstein ausmache. Er ermahnemich im Guten, meine seltsamen Prätensionen aufzugeben, denndas Fürstenthnm müsse jährlich einen Reichsmatrikularanschlagvon neunzehn Gulden und achtzehn Reichsthaler sechzig Kreuzerzu einem Kammerziele bezahlen, da werde es um so schlechtermit meiner Sparbüchse aussehen, als ich ihm ja ohnediesnoch sechs Kreuzer Briefporto schuldig sei.
Da diese Ermahnungen mich noch immer nicht zu einemschönen Bilde der Resignation machen konnten, mußte mir dergrößte Geograph der Familie den Artikel Vadutz aus Hübner'sZeitungslexicon vorlesen, wo alles Obige gedruckt stand; wobeies mich am tiefsten kränkte, die Lage meiner Ländereien soveröffentlicht zu hören. — Mir war, als Einem, dem dasParadies und das Butterbrod mit der fetten Seite auf dieErde gefallen sind. — Aber ich erkannte Alles nicht an — ichhielt mich zäh und kraus und erwiederte: „Das Papier istgeduldig und läßt viel auf sich drucken, was darum doch nichtwahr ist."