Druckschrift 
1 (1852) Geistliche Lieder
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

20k»

Sie streuen Weihrauch auf Marina's Glieder,Und schmücken mit Gewürzen ihr Gewand,

Ein goldncr Bienenschwarm summt zu ihr niederUnd füllt mit Wachs und Honig ihre Hand.

Sehnsüchtig Palm und Palme sich durchschlingenZu Ehrenpforten auf des Zuges Pfad,

Und weiße Tauben weh'n mit reinen SchwingenKühlung und Blüthcn, wo die Hcil'gc naht.

Die Lämmer blockend sich zum Zuge drängen,Jed' Blümchen streuet einen Thaujnwcl,

Es wölbt ein Baldachin sich von Gesängen,Stumm huldigend am Weg kniet das Kameel.

Schon überschritt der Zug die heil'ge Schwelle,Schon ruht Marina's Leib vor den: Altar,

Da bringt ein rasend Weib man zur Kapelle,Mit Wuthgcbcrdc und zerrauftem Haar.

Des Knaben Mutter ist's, die frech vermessenDes Kriegers Schandthat auf Marina log,

Vom Geist der Lüge raset sie besessen,

Seit rein der Büß'rin Geist zum Himmel flog.

Sie sträubt sich bäumend in der Knechte Armen,Die mit Gewalt sie nahn dem heil'gcn Leib,Marina bitt für sic!" ruft voll ErbarmenDas ganze Volk, und betet für das Weib.