208
„Beschwör' ich dich beim jungfräulichen Leibe,
Der Jesum trug und bei der sel'geu Brust,
Die ihn genährt, nicht in mein Schuldbnch schreibe,Daß deine Unschuld dir nur war bewußt.
„Bei geistlichem Gehorsam ich befehle,"
Spricht dann der Abt, aufrichtcnd sich am Stab,„Daß Allen du vergebest, theure Seele,
Wie Jesus seinen Kreuzigen: vergab.
„Unwissenden nicht nur erfleh' vom LammeDem treu du folgtest, seiner Gnade Huld;
Nein jener auch, daß Gott sie nicht verdamme,
Die lügend auf dich warf die eigne Schuld."
Ein süßer Duft erfüllte gleich die HalleAuf des Gehorsams heilig mächt'gcs Wort;
„Sie hat vergeben!" flüsterten da Alle,
„Bon ihrer Milde duftet dieser Ort."
Den heil'gen Leib zur Kirche nun zu bringen,Befiehlt der Abt der frommen Brüder Schaar.„Herr Gott, dich loben wir" die Träger singen,Dich Gott in deinen Heil'gen wunderbar!"
Und mit dem Jesukindlein vor dem ZugeZieht her der Knabe, der sein Liedlein singt,
Und über ihm in weiterstrecktem Fluge
Der Vögel Schaar der Wüste Rauchfaß schwingt.