Und sah ihr Blut in allen Abendröthcn. —
Oft kam ein alter Diener mich besuchen,
Mit kräft'gcn Reden meine Zeit zu todten,
Die Tasche leer vom oft vcrsprochnen Kuchen,
Ein Meister im Versprechen und Bctheucrn,
Was oft sich falsch bewährt; dazu ohn' FluchenKönnt' er mit seinen Augen Glaub' erneuern.
Vom Antichrist thät er mir prophezeien,
Und hat zum Held gen ihn in AbenteuernVor Allem mich mit einem Schlag gcwcihct,
Den scherzhaft er mir ans das Haupt gegeben;Doch meine Seele ihn des Ernstes zeihet.
Nichts traf so ernsthaft mich in meinem Leben,
Der Antichrist erfüllet mich mit Schrecken,
Und täglich mußt' ich vor dem Trügcr beben.
Ich sah ihn stets gen mich die Hand ansstrcckcn:Allmächtiger, erleuchte meine TageUnd wolle mich vor meinem Feind verstecken!
Und da dem Alten ich die Angst so klage,
Sprach er: „Wenn dn drei Tage ohne Weinen„Geduldig bleibst, ich dich zur Kirche trage,
„Da sollst du dir ein großer Held erscheinen,
„Man wird dich singend bei dem Eintritt grüßen."Ich glaubte ihm. Bei aller Krankheit PcincnLies keine Thrän' ich von den Augen fließen.
Und als die Stunde endlich war erschienen,
Ward ich geschmückt vom Kopf bis zu den Füßen,Ich ließ mich stolz, gleich einem Herrn, bedienen;
Der Alte selbst trug mich auf seinen ArmenUnd machte übertrieben ernste Mienen.