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2 (1852) Weltliche Gedichte
Entstehung
Seite
572
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S72

Wie kommst du nur so spät, heut' ist schon die Octav,

Daß jene überschritt die hochzeitliche Schwelle,

Doch Weib sich's auf den Tag von meinem Feste traf,

Gib's Nölleli nur her, auf daß ich's treu bestelle!"

In ihren Gürtel steckt sie nun des Liedes Band,

Und vor der Kirche sie bei einem Kreuze kniete,

Auf dem den Bräutigam sie süß entschlummert fand;

Den Jungfrau'n dann umher winkt sie zum Wechsellicde.

Sie stimmt ein Tauflied an, einfach aus altem Buch,

Zum Jesulein gebeugt in der Gespielen Kreise;

Wie folgt, so klang das Lied in Frag' und GegenspruchEinfältig, wohlgemeint, in armer linder Weise.

Und wenn mir Niemand singt, so sing mir selber ich,

Der Ehre König hat gefreiet einst um mich,

Und in der Taufe ward ich heut' ihm angetraut,

Er hat mich treu geliebt, als seine liebste Braut!"

Was gab er dann, o Braut! als einen Mahlschatz dir?Ein goldnes Ningclein, darin strahlt ein Saphir! "

Und was bedeutet dann im Ringlein der Saphir?Daß seinen heiligen Geist er hat geschcnket mir.

Im Ringlein leuchtet auch ein kostbarer Rubin,

Weil ich mit seinem Blut zum Heil besprenget bin!"

Sag, ist das Ringlein auch pnr lauter reines Gold?Ja traun, drum bin ich ihm von ganzem Herzen hold!"