Druckschrift 
2 (1852) Weltliche Gedichte
Entstehung
Seite
265
Einzelbild herunterladen
 

265

Das Licht, das nicht aus deinen BlickenGebrochen ward, es leuchtet nicht;

Roh ist die Luft, bis zum Ersticken,

Bis sie an deinem Odem bricht.

Was nicht, arm Kind, vor dir gehuldigt,Was dir den Zehnten nicht gereicht,

Ist unversöhnet, unentschuldigt,

O blicke, athme, mach mir's leicht!

Wie Espenlaub rc."

Doch alles das ist noch nicht Liebe,

Ist Alles bloß noch Sinnenlust,

Ach! daß noch Andres übrig bliebe,

Das hast du Armer nicht gewußt.

Es sei dein tiefst geheimstes Leben,

All deiner Leiden Schmach und QualOhn' Murren freudig hingegcben,

Geh', steh zur Schau an einem Pfahl!Wie Espenlaub rc."

Dich muß die Offenheit entzücken,

Dein Herz muß jauchzen froh und frei;Dann muß Verstecktheit dich ersticken,Erst athme Herz, dann brich entzwei.Erst läßt das Kind dich lächelnd spielen,Und lächelt süß und schaut dir zu,

Dann fängt-die Eule an zu schielen,

Und dann zerreißt sie dich im Nu!

Wie Espenlaub rc."