Von Dünsten, Nebel und lVolcken. 77
gegründeten Meinungen, welche sich der Aberglaube von die-sem oder jenem Tage eines gewissen Heiligen, oder andern ingewissen Monaten und Wochen gemachet. Welches alles zuder Tagwchlerey gehöret, dieGOtt der HErr selbst so ernstlichverboten und verdammet hat, Deut. 13, io. 14.
Es. 2, 6. Ier. 26, 9.
Das 4 Capitel.
Von Dünsten, Nebel und
Wolcken.
AVus dem Wasser und den feuchten Körpern steigen ohn Un-terlaß viele Dünste in die Luft. Diese sind nichts an-ders, als lauter kleine Bläslein, die leichter sind, als die Luft,und demnach immer höher steigen, ie dichter und dicker die un-tere Luft ist, bis sie in der obern dünnern Luft hangen bleibenmüssen. Sie werden aber nicht, wie einige geglaubet, vonder Warme in die Höhe getrieben, weil sie sonst sich nicht noth-wendig in die Höhe, sondern wie die Wärme gegen alle Seitenbewegen würden; sondern die auf das Wasser, oder auch an-dere feuchte Körper fallende Hihe der Sonnen dehnet die darin-nen befindliche Luft aus, und formiret Bläslein, deren Diame-ter, wie die Versuche anzeigen, zehnmal so groß ist, als dasTröpflein Wassers, das von der Luft ausgedehnet worden.Und wenn nun solche Bläschen sich nach und nach losreißen, sowerden sie wegen ihrer Leichtigkeit in die Höhe getrieben, wieman an den Blasen, die aus Seiffenwasser durch ein Stroh-Röhrlein geblasen werden, sehen kan. Aber nicht allein dieSonne, sondern auch die Kälte machet das Wasser ausdün-sten, wie denn oft die Flüsse in strenger Kälte, wie siedendesWasser rauchen; denn sie ziehet die Materie der Wärme ausdem Wasser aus, und wenn selbige sodenn in einen grösser»Zwischen - Raum, wie die Luft ist, eintritt, treibet sie daselbst dieLuft von einander, daß die Dünste, wie sehr kleine Kügelchen
auf-