Baldui'nlll. Balcaren 631
vermischt mit zarten Empfindungen fürs Wohl der Menschheit und für das Glückseines Vaterlandes, strömten aus seiner vollen Brust, aus seiner innig bewegtenSeele. Er sah die jammervollen Scenen des dreißigjährigen Kriegs. Mit verwun-detem Herzen tröstete er die Vertriebenen; zugleich suchte er Deutschlands bessernGeist zu wecken und es zur Tapferkeit, Redlichkeit, Eintracht zu ermähnen. Wieergrimmt ist er gegen die falschen Staatskünstler! wie entbrannt für die gesunkeneEhre und Tugend seines Landes! Allenthalben in seinen Gedichten sieht man seineausgebreitete, tiefe Weltkenntniß, bei einer echt-philosophischen Geisteswürde. Erist ein Dichter Deutschlands für alle Zeiten; manche seiner Oden sind von so fri-scher Farbe, als wären sie in den neuesten Jahren geschrieben". In gleichemSinne sagt A. W. Schlegel: „Ein tiefes regsames, oft schwärmerisch ungestümesGefühl, eine Einbildungskraft, woraus starke und wunderbare Bilder sich zahlloshervordrängen, ein erfinderischer, immer an entfernten Vergleichungen, an über-raschenden Einkleidungen geschäftiger Witz, ein scharfer Verstand, der da, wo ernicht durch Parteilichkeit oder früh angewöhnte Vorurtheilc geblendet wird, diemenschlichen Verhältnisse durchschauend ergreift, große sittliche Schnellkraft undSelbständigkeit, kühne Sicherheit des Geistes, welche sich immer eigne Wegewählt und auch die ungebahntesten nicht scheut: alle diese Eigenschaften erscheinenin Balde's Werken allzu hervorstechend, als daß man ihn nicht für einen ungewöhn-lich reich begabten Dichter erkennen müßte". — Unbedeutend sind seine deutschenGedichte. — Eine Sammlung seiner poetischen Schriften, bestehend aus lyri-schen, elegischen, didaktischen, satyrischen rc. Gedichten, ist 1660 zu Köln in 4Bdn., 12., und zu München 1729, 8 Bde., erschienen; eine Auswahl von I. C.Orell (Zürich 1805, 2. Aufl., 1818).
Balduin III., König von Jerusalem von 1143 — 62, ein Musterdes Ritterthums, das sich in der Periode der Kreuzzüge aus den Begriffen vonEhre, Recht, Andacht und Minne gestaltete. Die Kreuzfahrer hatten Grafenvon Tripolis und Edessa und Fürsten von Antiochicn gestiftet, sogar bis Tarsus inEilicien erstreckten sich die Lehnsherrschaften der Christen; aber diese Vasallen B.'swaren immer in Aufruhr gegen ihn oder befehdeten einander selbst. Gegen sieund gegen die neuen Scharen der Kreuzfahrer, gegen die Marianer, Tempel-herren und Hospitalritter, kämpften ebenso fanatisch, ebenso uneinig unter sich,und dennoch am Ende glücklicher, die saracenischen Helden: Saladdin, Nureddin,Zenghi und Seifeddin. Unter B. sah man sogar Saracenen tapfer zur Seite derKreuzesfahne fechten. Seine unglückliche Regierung war das letzte Aufstrebendes christlich-orientalischen Ritterthums, der dortigen Turniere und Rittcrweihen;das Ende der Lehnsverfassung in geistlicher und weltlicher Hierarchie. B. starbnicht lange vor dem gänzlichen Untergänge seines Reichs. Als man nach demTode des Königs seinem großen Gegner Nureddin rieth, während der ritterlichenLeichenbestattung die Staaten des Verstorbenen anzufallen, antwortete dieser:„Laßt uns ihren Schmerz ehren, er ist gerecht, denn sie haben einen König verlo-ren, wie es wenige gibt".
Balearen, Name der beiden im mittelländischen Meere, nicht weit vonden Küsten von Valencia in Spanien, liegenden Inseln Majorca (spanisch Mal-lorca) und Minorca (s. d.), welche nebst den pityusischen Inseln, Jvcha undFormentera, das spanische Königreich Majorca bilden, welches auf 83 UM.275,000 Einw. zahlt. Der griech. Name Balearen ward ihnen gegeben, weil dieBewohner wegen ihrer außerordentlichen Fertigkeit im Schleudern berühmt waren.Die balkarischen Schleuder» zeichneten sich in Hannibal's Heere sehr aus. In derFolge bemächtigten sich die Römer^beider Inseln, dann die Wandalen unter Gen-serich, und im 8. Jahrh, die Mauren, denen sie Jakob I., König von Aragonien,1220 — 34 entriß. Sie machten nun ein eignes Königreich aus, das 1375 mit