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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
431
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„Aepfelstiel und Birenschnitz, wie kommen die Rübenin den Sack? Das ist gar kein Vergleich," sagte derBuchmaier lachend. „Herr Lehrer, nichts für ungut, aberda habt ihr euch vergaloppirt. Ich hab' zu Haus einWaisenrind, das arme Thierle hat kein Vater und kein'Mutter mehr, ich muß bigott morgen den Gemeinderathzusammenkommen lassen, man soll ihm einen Vormund setzen."

Ein schallendes Gelächter erdröhnte in der ganzenStube. Der Lehrer gab sich alle Mühe, seine Ansichtnäher zu begründen, aber er konnte nicht mehr zu einerordentlichen Auseinandersetzung kommen. Die ganze Ver-sammlung war seelenfroh, daß das zu ernste Gespräch end-lich eine lustige Wendung genommen hatte. Nur so vielvermochte er darzulegen, daß er weit entfernt sei, die Kin-der und das Vieh in eine Reihe zu stellen.

„Davon ist keine Red'" sagte der Buchmaier, „ihrhabt ja des Mathesen Hannesle einen Kuß gegeben, dasthut man keinem Vieh. Aber jetzt ist mir's, wie wennich eine dreifache Versicherung hätt', daß das mit denThierquälervereinen nichts ist als den Hühnern die Schwänz'naufbinden, sie tragen's schon allein oben."

Die Heiterkeit steigerte sich nnn immer mehr, überallöffneten sich die Schleusen eines nicht immer sehr wähle-rischen Witzes. Der Lehrer war nicht dazu aufgelegt,sich davon fortreißen zu lassen, vielmehr ward er im Tief-innersten verstimmt.

Mit jenem quälenden Gefühle, vor Mehreren seineAnsicht ausgesprochen zu haben, ohne sie ganz dargelegtzu haben und ohne ganz gehört worden zu sein, verließder Lehrer nun bald das Wirthshaus. Er sah es wohlein, wie schwer es ist, eine Versammlung von Erwachsenenin der gründlichen Erforschung eines Gedankens zu leitenund ihn durchzukatechestren; bald aber verließ er diese Be-trachtung wieder und ward überzeugt, daß er hier dieRohheit getroffen, die nicht in der eckigen und derbenNatürlichkeit, sondern in der selbstgefälligen Mißachtungder Bildung und der verfeinerten Ansichten besteht. Er