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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
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Der Lehrer sah hierin wiederum nichts als die Roh-heit dieser Menschen, mit großem Eifer vertheidigte erdaher die Polizeimaßregeln wegen Mißhandlung der Thiere;der Buchmaier aber entgegnete:

„In der Stadt, da kann's meinetwegen nöthig sein,daß man die Leut' ermähnt, das Vieh zu schonen, aberstrafen kann man's nicht. So ein Kutscher oder Kutschers-knecht, oder so ein Livreebeamter, ich will sagen Livreebedien-ter, der hat kein' rechte Lieb' zum Vieh, es ist oft garnicht einmal sein eigen, und davon, daß er's aufgezogenhat, ist gar nicht zu reden. Bei uns aber, ich hab' schongesehen, daß die Leut' mehr heulen, wenn ihnen ein Rindd'raufgeht, als wenn ihnen ein Kind stirbt."

„Die Herren sollten zuerst die Bauern besser behan-deln ," sagte Mathes. „Der alt' Amtmann, der hat seinemHund die besten Wörtle geben und die Bauern nur soangeschnauzt; sie sollten zuerst einen Verein stiften, daßKeiner mehr Er zu einem Bauern sagt."

„Ja," sagte der Buchmaier, „die Hauptsach' ist, dieAmtleut' wollen jetzt gern auch über das Vieh regieren.Ihr werdet sehen, wenn's so fort geht, wird man überzehn Jahr' Einem befehlen, was er auf seinem Acker säendarf und wann er ihn brach legen muß; man kann jaauch seine Aecker quälen und kann ihnen zu viel zumuthen."

„Wenn die Menschen nicht so vernünftig sind," sagteder Lehrer, „das gehörige Maaß in allen Dingen zuhalten, so ist der Staat verpflichtet, das Gute durch Stra-fen einzuführen."

„Nein und neun und neunzigmal nein!" rief der Buch-maier, hielt aber Plötzlich inne; sei es, daß er seiner Hef-tigkeit den Zügel halten wollte, oder daß er in der Thatnichts vorzubringen wußte. Er trank in langsamen Zügen,während dessen ein Mann mit gerollten, weißen undschwarzen Haaren, so was man Kümmel und Salz nennt,auf Hochdeutsch sagte:

„Man kann die Menschen dafür strafen, wenn sieschlecht handeln, aber man kann sie nicht zwingen, gut