Druckschrift 
Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
401
Einzelbild herunterladen
 

401

In derselben Nacht, als Florian aus dem Gefängnisseentflohen, erwachte Kreszenz in plötzlicher Angst aus demSchlafe; sie hatte geträumt, Florian rufe sie zum Tanzeund sie konnte doch ihren Strumpf nicht anziehen, so sehrsie sich auch abmühte.

Weinend saß sie nun in ihrem Bette und sprach dasGebet für die armen Seelen im Fegfeuer. Es schlugvier Uhr, sie stand auf und verrichtete alle Hausgeschäfte.Als es kaum tagte, ging sie hinaus in den Wald, umHolz zu sammeln. Seit ihrem Unglücke war überhauptihre Thätigkeit übermäßig, es war, als wollte sie dasMüßiggängerische Leben Florians einbringen. Sie hatte füralle ihre Arbeiten keinen Dank, und doch war fast keinleeres Plätzchen mehr im Hause, so fleißig hatte sie Holzund Tannzapfen gesammelt.

Als sie nun zum Walde kam, fand sie am Saum des-selben einen weißen Knopf, sie erkannte ihn, daß er vondem Wamse Florians war, sie verbarg ihn still in ihremBusen; hinausschauend über die Berge und das Thal, sagtesie so vor sich hin:Mein Kreuz ist groß, und wenn ichauf den höchsten Berg steig', ich kann's nicht übersehen."

Ohne Holz gesammelt zu haben kehrte sie wieder heim.Sie weinte und freute sich als sie Florians FluLt ver-nahm; sie weinte, denn sie wußte nun, daß er ein Verbre-cher war, und sie freute sich, daß er nun doch gerettet sei.

13 .

Die ärgsten Spießruthen und die Linderung.

Florian war indessen immer weiter geeilt, und als esNacht wurde, machte er sich aus den Zehentgarben auf demFelde eine Hütte und schlief darunter.

In einer Schenke hatte er ein Messer gestohlen, dafüraber heimlich zwölf Kreuzer in das Salzsäßchen auf demTisch - versteckt; mit dieser Waffe machte er sich nun ineiner Schlucht seinen Schnurrbart herunter.

26