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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
399
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keine Reise mehr aus. Er ging daher nach der Stadtund kaufte sich ein Paar neue.

Wie wohl war es nun Florian, nachdem er lange inzerrissenen Stiefeln umher gegangen, mit niedergekehrtemBlicke jeder kleinen Pfütze ausgewichen war, jetzt wiedereinmal aufrecht und trocknen Fußes die schlüpfrigsten Straßenzu wandeln; ein unnennbares behagliches Wohlgefühl durch-wärmte ihn, als er scharf auftretend heimkehrte.

Nicht lange aber sollte er so sicher auf freiem Fußeeinherwandeln. Er hatte zufälligerweise einen durchlöchertenKronthaler bei dem Kaufe ausgegeben, ein solcher war vondem Bcstohlenen bezeichnet worden, und gegen Abend kamder Schultheiß mit dem Schützen und einem Landreiter,um Florian zu verhaften.

Der Buckmaier willfahrte ihm, daß man ihn hintendurch die Gärten führte.

Auf dem Wege beklagte er sich über sein Unglück undbeihcuerte seine Unschuld.

Die meisten Verhafteten, Schuldige, wie Unschuldige,klagen den Polizeiverordneten ihr Leid und betheuern ihreSchuldlostgkeit. Es ist so natürlich, das Menschengefühlderer anzurufen, die wie wandelnde Mauern den Gefange-nen umschließen, bis er sich zwischen feststehenden, denMauern von Stein, eingeschlossen sieht. Wenn dann derBedrängte ausgewinselt hat, lautet gewöhnlich die Ant-wort: das wird sich Alles zeigen, das geht uns nichts an.

Mit Schmerz sieht der Unglückliche, daß er den vonfremder Kraft bewegten Stein gefragt: Warum schlägst dumich? daß er das Netz gebeten: Hab Erbarmen und laßmich los.

Florian hatte zuerst im reinen Naturdrange gesprochen,nach und nach ward er darauf aufmerksam, daß er daSGleiche auch vor dem Richter vorbringen wolle. Er sprachdaher sehr ausführlich, denn eine Lüge, die man einmalausgesprochen, bringt man zum zweitenmalc um so fertigerund sicherer vor.

Man hatte bei Florian bloß ohngefähr fünfzig Gulden