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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
363
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den Reim lesen, Florian aber sagte; „das kannst du, wennich auch nicht dabei bin, jetzt wollen wir schwätzen."

Ja, erzähl' mir einmal. Ist es wahr, hast du Bekannt-schaft mit deines Meisters Tochter in Straßburg?"

„Kein Gedanke, ich thät ja sonst nicht hier bleiben, undhier bleib' ich: Alle Nordstettcr müssen sagen: der Florianist ein Kerle, wie's keinen mehr gibt."

Noch lange Blieben die beiden zusammen. Als Creszenzwieder nach Hause kam, traf sie den Geometer und mußtefreundlich und liebreich gegen ihn sein. Mit schweremHerzen las sie noch spät in ihrem Kämmerlein den Spruchaus dem gemalten Herze»:

Besser Stein zur Mauer graben,

Als lieben und doch nicht haben.

Weinend legte sie das Blättchen in ihr Gesangbuch.

Da haben wir nun eines jener Verhältnisse, wie sie zutaufenden in Stadt und Land sich finden, nur nicht so grell,die Farben sind mehr in einander vertuscht. Creszenz hatteden Florian gern und wollte doch die Versorgung durchden Geometer nicht drangeben; dort hielt sie die Liebe, hierder Verstand. Es müßte sonderbar zugehen, wenn darausnicht schweres Unglück hervorginge.

5 .

Was Florian im Dorfe trieb und wie er Haarelassen muß.

Florian blieb nun im Dorfe und schlachtete, von demMeisterrechte seines Vaters Gebrauch machend, ein Rindund bald wieder eines. So gut es auch in der ersten Zeitzu gehen schien, so hatte doch die Herrlichkeit bald einEnde. Der alte Metzgerle ging mit dem liegen gebliebenenFleische Hausiren, er verthat aber oft nicht nur den Profit,