313
„Der Florian kann sich fünfmal aus- und ankleiden, soviel schöne Kleider hat er bei sich," sagte ein drittes Mädchen.
„Und er spricht fast lauter Französisch."
»Und er hat eine Uhr mit einem Behäng, wo seinganz Handwerkzeug von Silber dran ist."
»Und ein schwarz Schnauzbärtle hat er zum Küssen."
Ein Lärm unterbrach die schnellen Berichte.
»Was stoßst mich so," sagte Käther zu des KiliansAnnele, »Narr, ich bin kein reicher Bursch."
»Sei still du, du bist ja schon zweimal im Spinnhausgewesen und das drittemal steht dir schon auf der Stirn."
»Wart, ich will dir's auf die Stirn schreiben," schriedie Käther, und stieß mit ihrem Kübel nach dem Annele;dieses aber hatte den Schlag abgewehrt und gab dafür einenandern zurück. Nun ging's an ein gewaltiges Ringen, dieKübel wurden auf die Erde geworfen, die beiden Kämpfen-den faßten sich mit den Händen. Eine Weile sahen dieAndern müßig zu, dann aber wehrte Alles ab, und beson-ders der Soges schlug hüben und drüben drein. Wie zweiStreithähne, die von einander gejagt wurden, blickten sichdie Feinde noch grimmig an, indem sie ihre Kübel zurHand nahmen. Das Annele strich sich weinend die Haareaus dem Gesicht, es klagte, daß Niemand vor der KätherRuhe habe und daß die -ganze Bürgerschaft dafür sorgensollte, daß sie ewig in's Spinnhaus käme.
Die Reihe war endlich an Kreszenz gekommen. Sietrug nun den schweren Kübel auf dem Kopfe, aber nochschwerer war's ihr im Herzen. Große Thränen kugeltenüber ihre Wangen, aber sie that als ob der Kübel tropfe,und fuhr immer mit der rechten Hand und mit der Schürzeüber dessen untern Rand; sie ahnte wohl, welche Verwir-rung die nächsten Tagt bringen konnten, hatte ja diese schonin ihrem Herzen begonnen.
Zu Hause vollzog sie die Arbeit, ohne mehr einen Tonzu singen.