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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
299
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Zauberboden der Wunder steht, weilt noch auf dem Gebietedes wahrhaften Kirchenglaubens: der Glaube ist die Hingabean ein unerklärbares oder Unerklärtes, an ein Wunder.

Das Widerstreben Jvo's gegen das geistliche Studiumhatte noch ganz andere Grundlagen, die ihm jetzt immerdeutlicher wurden: die alte Lust nach einem thätigen Lebenregte sich in ihm.

Eine frühere Gedankenreihe, die schon im Kloster zuEhingen begonnen, aber wieder abgebrocben ward, setzte sichjetzt in Jvo fort. „Nicht die schweißvolle Arbeit rer Hände,"sagte er zu sich, „ist die Strafe für die erste Sünde, son-dern, weil die Menschen voin Baume der Erkenntniß einmalgegessen, müssen sie nun ewig darnach streben, ohne sichganz daran ersättigen zu können; im Schweiße ihres An-gesichts suchen sie das Brod ihres Geistes, die flatterndendürren Papiere sind die Blätter am Baume der Erkenntniß,zwischen welchen die Frucht versteckt sein soll. Glückselig!wem der heilige Christbaum mit seinen, von höherer Handangezündeten Lichtern, der volle Baum der Erkenntnißgeworden, Arbeit! Arbeit! Nur das Thier lebt und arbeitetnicht, es gehet aus, um seine Nahrung zu suchen und be-reitet sie nicht; der Mensch aber greift ein in die ewigschaffende Kraft der Erde, frei mitwirkend in der Thätigkeitdes All's, kömmt der Segen der That, Ruhe und Friedeüber ihn. Ihr verblendeten Römer, euer Wahlspruch war:Leben heißt Krieg führen, und ihr ginget hin, eure Brüderzu unterjochen, um im stolzen Triumphe in die Roma ein-zuziehen. Nein! Leben heißt arbeiten. Wohl ist das auchein Kampf mit den stillen Mächten der Natur, aber einKampf des freien Lebens, der Liebe, der die Welt umgestaltet:des Steines Härte weicht des Meißels Kraft und füget sichzum schönen Bau, und vor Allem sei du mir gepriesenAckerbau! In der Erde Furchenwunden streuest du sieben-fältig Leben. Da hebt sich das Herz, da wächst der Geist.Und wie wir die Erde bebauen, sie uns Unterthan machen,