Druckschrift 
Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

Gegen alle frühere Gewohnheit war nun Jvo seltenzu Hause. Er brachte oft halbe Tage in des JakobenSchmiede zu. Die Schmieden sind Aufcnthaltsplätze fürallerlei Nichtsthuer, für alte Leute und Faullenzer: da kom-men fremde Fuhrleute, da kommen Einheimische, die diePferde beschlagen lassen oder schadhaftes Feldgeräthe brin-gen; wie der Blasbalg immer neu das Feuer anschürt, soströmt auch stets neue Unterhaltung herzu. Jvo dachteviel darüber nach, wie es geworden wäre, wenn der Wunschseiner Kindheit in Erfüllung gegangen und er das Schmiede-handwerk erlernt hätte. Er nahm sich vor, einst, wenner Pfarrer sei, diese Orte oft zu besuchen und hier gelegent-lich manches gute Wort anzubringen, und wenn er darandachte, daß er vielleicht nie zum geistlichen Berufe gelange,sagte er sich innerlich: „Immerhin, aber nur nicht so wer-den wie der Studentle."

13 .

Der Zwiespalt.

Als Jvo wieder in das Kloster zurückgekehrt war, ließer mehrere Tage vorübergehen, ehe er die Bewegung seinesInnern seinem bleich gewordenen Freunde Clemens mit-theilte; er schauderte mit Recht vor dieser Eröffnung.

Als sie wiederum im Burgholz waren, faßte Clemensdie Hand Jvo's und sagte: „Ich habe es im Traume ge-sehen, wie Satan sein Netz über dich ausspannte."

Jvo gestand seine Liebe zu Emmerenz.

„Wehe!" rief Clemens, „Wehe! auch über dich ist derVersucher gekommen! Aergert dich dein Auge, so reiß' esaus, du mußt diese Höllenflamme in dir zertreten und sterbeauch dein Leben mit."

Jvo mußte nun alsbald zur Beichte gehen. Auch vonihm erfuhr man nie, welche Buße ihm auferlegt wurde,nur willigte er gerne in den Vorschlag des Clemens, daß