beim Amte die Heirathserlaubniß holen wollten; es glaubte,wenn es jetzt längne, bekäme es die „Papiere" und die„Annahme" nicht; auch durste es nicht nein sagen, daswar gegen sein Gewissen. Sein Herz klopfte rasch, eingewisses Gefühl des Stolzes erhob sich in ihm, einBewußtsein, das über alle Gefahren hinausragte, belebtesein ganzes Wesen, es dachte plötzlich nicht mehr an diePapiere, nicht mehr an den Oberamtmann, nicht mehr,wo es war, es dachte nur an den Mathes; die letzteThräne fiel von seinen Wimpern, sein Auge leuchtete hell,es erhob sich rasch, schaute wie siegverklärt umher undsagte: „Jo, koan andre nf der Welt nahm i."
„Der Mathes hat Dir also den Maien gesetzt?"
„'s kann wol sein, aber me derfjo et dabei sein, undi bin diesell Nacht —" es konnte wiederum vor Weinennicht weiter reden.
Es war gut, daß Aivle die Augen zuhielt und dasLächeln der Gerichtsmänner nicht sah.
„Gesteh's nur, kein Andrer hat Dir den Maien gesetzt?"
„Was kahn i wisse?"
Durch allerlei Querfragen und durch die freundlicheVersicherung, daß die Strafe nur gering sei, brachte derOberamtmann endlich das Geständniß Aivle's heraus.Nun wurde ihm das Protokoll vorgelesen, das in hoch-deutsche Sprache übersetzt und in zusammenhängende Redegebracht war, von all' dem Weinen und den Qualen desMädchens stand kein Wort darin. Aivle erstaunte überalles das, was es da gesagt hatte; aber es unterschriebdoch und war seelenfroh, als es wieder fort durfte. Alsdie Thür hinter ihm wieder zu war und die Klinke insSchloß fiel, stand es plötzlich wie festgebannt da und fal-tete die Hände; ein schwerer Seufzer entlud sich seinerBrust, es meinte, der Boden müsse unter ihm zusammen-sinken, denn es überdachte jetzt erst recht, was es seinemMathes gethan haben konnte. Sich an das Treppengeländerhaltend, ging eS furchtsam die steinernen Stufen hinabund suchte leinen Vater, der im Lamm einen Schoppen